US-Studie: Warum Fertiggerichte nicht satt, aber dick machen

Mehl, Wasser, etwas Hefe und ein paar Brisen Salz. Mehr braucht es nicht, um einen Pizzateig selbst zu machen. Frische Tomaten, Paprika, Käse nach Geschmack dazu. Fertig ist die „Home made“-Pizza. Zugegeben: Bis die vegetarische Eigenkreation auf dem Tisch steht, sind ein paar Handgriffe zu erledigen. Das Motto: Erst die Arbeit, dann das Genießen. Vermutlich greifen deshalb auch immer mehr Deutsche zur Pizza aus dem Tiefkühlregal. Plastikfolie aufreißen, ab in den Ofen, fertig! Welche der beiden genannten Optionen die gesündere ist, steht landläufig außer Frage.

US-Wissenschaftler wollten sich die Auswirkungen der beliebten Fertiggerichte auf das Gewicht und den Körperfettanteil in einem Experiment aber nochmal ganz genau anschauen. Was sie dabei herausfanden, veröffentlichten die Forscher jetzt im Fachblatt „Cell Metabolism“. Demnach verleiten stark verarbeitete Lebensmittel unter anderem dazu, mehr zu essen.

Das Experiment

Für ihren Versuch wählten die Wissenschaftler 20 gesunde Freiwillige aus, die über einen Monat in einer Forschungseinrichtung lebten. Zehn von ihnen ernährten sich in den ersten zwei Wochen ausschließlich von hoch verarbeiteten Produkten. So aßen sie um Frühstück etwa eine Schale Honig-Nuss-Cerealien und einen Blaubeermuffin – fertig gebacken. Bei der zweiten Gruppe stand zum Beispiel ein Joghurt mit Obst und Nüssen auf dem Frühstückstisch. Die Teilnehmer beider Gruppen durften von dem jeweiligen Angebot so viel essen, wie sie wollten. Jeweils drei Mahlzeiten standen auf dem Speiseplan. Nach zwei Wochen wurden die Gruppen getauscht.

Das Ergebnis …

… überrascht erstmal nicht. Die Probanden, die sich zunächst von Fertigprodukten ernährten, legten im Durchschnitt ein Kilogramm Körpergewicht zu. Ähnlich viel nahmen sie in den beiden Wochen mit frischen Lebensmitteln wieder ab. Eine vergleichbare Tendenz stellten die US-Forscher auch beim Körperfettanteil fest.

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Die Analyse

Doch warum wirken sich Fertigprodukte derart negativ auf das Gewicht aus? Dazu äußert das Team um Studienleiter Kevin Hall in seiner Veröffentlichung verschiedene Vermutungen. Zum einen aßen die Probanden in dem Experiment die Fertigprodukte schneller. Das führe möglicherweise dazu, dass der Magen-Darm-Trakt nicht genügend Zeit habe, dem Gehirn zu signalisieren, dass man satt ist, glaubt Hall. Oder anders gesagt: Die Betroffenen neigen dazu, sich zu überfressen. Marc Tittgemeyer vom Kölner Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung glaubt, dass viele Verbraucher unterschätzen, wie viele Kalorien tatsächlich in TK-Pizza und Co. enthalten sind. Fertigessen aktiviere das Belohnungssystem des Körpers, der dann nach mehr verlange, so Tittgemeyer, der nicht an der Studie beteiligt war. 

In den beiden Wochen mit Fertigprodukten nahmen die Studienteilnehmer übrigens rund 500 Kilokalorien pro Tag mehr zu sich als in den Frische-Wochen. Ursache dafür waren möglicherweise die stark zuckerhaltigen Limonaden und Säfte. In Sachen Geschmack hatten die Probanden keinen Favoriten. Beide Ernährungsformen kamen in der Bewertung gleich gut weg.

Langzeitfolgen nicht zu beurteilen

Rückschlüsse auf die Gesamtbevölkerung lassen sich mit den Ergebnissen der US-Studie allerdings nicht ziehen. Dafür reicht das Experiment mit 20 Probanden nicht aus. Auch zu den Langzeitfolgen der Ernährung mit hoch verarbeiteten Lebensmitteln sagt die Studie nichts aus. Wobei – und auch das dürfte jedem einleuchten – die selbst kreierte Pizza und Joghurt mit Früchten auf Dauer zweifellos nicht nur leckerer, sondern auch gesünder sind als ihre eingeschweißten tiefgefrorenen oder gekühlten Pendants. 


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