Buchpreisbindung: mehr Absatz, mehr Buchhandlungen und günstigere Preise

Neben Rx-Arzneimitteln gehören Bücher zu den wenigen preisgebundenen Waren. Eine neue Studie mit der bisher größten Datenbasis zeigt deutliche positive Folgen der Buchpreisbindung: mehr unabhängige Buchhandlungen, mehr Absatz von Büchern, im Durchschnitt günstigere Buchpreise und mehr Erfolg für weniger bekannte Autoren. Ein Rechtsgutachten bekräftigt zudem die Vereinbarkeit mit dem EU-Recht.

Während der Europäische Gerichtshof im Oktober 2016 die angeblich unzureichenden Daten für die Begründung der Arzneimittelpreisbindung bemängelte, gibt es zum Buchmarkt immer wieder neue gute empirische Studien. In der vorigen Woche präsentierte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine in seinem Auftrag erstellte, neue Untersuchung unabhängiger Wissenschaftler mit der bisher größten Datenbasis. Dazu gehören auch internationale Vergleiche zwischen Ländern mit und ohne Preisbindung.

Mehr Absatz und weniger Marktkonzentration bei Preisbindung

Die ökonomische Analyse stammt von der Arbeitsgruppe um den Volkswirtschaftler Prof. Dr. Georg Götz an der Universität Gießen. Götz erklärte dazu: „Auf Grundlage einer umfassenden, bisher so nicht verfügbaren Datenmenge aus zahlreichen Ländern konnten wir die wirtschaftlichen Auswirkungen der Buchpreisbindung tiefgehend analysieren. Wir haben viele positive Effekte der Preisbindung auf den Buchmarkt festgestellt.“ Als einen dieser Effekte beschreibt die Studie das Erhalten unabhängiger Buchhandlungen. Nach Abschaffung der Buchpreisbindung in Großbritannien sei die Zahl der unabhängigen Buchhandlungen dort von 1995 bis 2001 um rund 12 Prozent gefallen, in Deutschland dagegen nur um 3 Prozent. Außerdem sei die Marktkonzentration in Deutschland viel geringer. In Großbritannien habe allein Amazon einen Marktanteil von 45 bis 50 Prozent, kleine Buchhandlungen nur 5 bis 10 Prozent. Dagegen macht der ganze Online-Markt in Deutschland nur 20 Prozent aus, 20 Prozent entfallen auf Filialisten und 30 Prozent auf den unabhängigen Buchhandel. Der Erhalt des stationären Buchhandels fördert gemäß der Studie die Nachfrage nach Büchern. Demnach werden in Deutschland durchschnittlich 6100 Bücher pro Jahr weniger abgesetzt, wenn eine Buchhandlung schließt. Denn die Kunden wechseln nur teilweise zum Versand.

Studienergebnis: Preisbindung macht Bücher billiger

Außerdem heißt es in der Studie: „Die Buchpreisbindung macht Bücher im Schnitt billiger.“ Damit entkräftet die Studie das Hauptargument der Gegner der Buchpreisbindung. Gemäß der Studie stieg der Durchschnittspreis für Bücher in Großbritannien zwischen 1996 und 2018 um 80 Prozent. In Frankreich habe der Anstieg nur 24 Prozent und in Deutschland 29 Prozent betragen – in diesen beiden Ländern gilt eine Preisbindung. Nur Bestseller seien in Großbritannien billiger. Bei etwa gleichem Absatzanteil würden die 500 meistverkauften Titel in Deutschland 26,6 Prozent des Umsatzes ausmachen, in Großbritannien nur 21,5 Prozent. Denn für gut verkaufte Bücher würden die Händler bessere Rabatte erzielen, die sie an die Kunden weitergeben könnten.

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