Manche Lebensmittel können noch Monate nach Ablauf des MHD verzehrt werden

Zu gut zum wegwerfen: Mindesthaltbarkeitsdatum fördert Lebensmittelverschwendung

Experten zufolge landen in Deutschland jedes Jahr mindestens elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Ein großer Teil dieser Nahrungsmittel könnte noch verzehrt werden. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass besonders der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erheblich zur Lebensmittelverschwendung beiträgt.

Verschwendung von Nahrungsmitteln

Jedes Jahr landen Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, obwohl sie oft noch genießbar wären. Experten raten zwar immer wieder, Lebensmittel nicht vorschnell wegzuwerfen, doch häufig wird das Mindesthaltbarkeitsdatum missverstanden. In den meisten Fällen halten Lebensmittel länger als angegeben ist. Manche kann man sogar noch Monate oder gar Jahre nach dem Ablauf des MHD verzehren.

Kann ein Produkt mit abgelaufenem MHD noch bedenkenlos verzehrt werden?

Das Fraunhofer-Institut präsentierte vor kurzem einen kleinen Food-Scanner, der erkennt, ob ein Produkt noch haltbar ist, indem er mittels Infrarotlicht den tatsächlichen Frischegrad von Lebensmitteln feststellt.

Den Experten zufolge soll das Gerät dazu beitragen, die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu reduzieren.

Auch die Verbraucherzentrale Hamburg, die Tafel Deutschland e.V. und die Wiener Tafel starten gemeinsam eine Aktion zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung.

Wie die Verbraucherschützer in einer Mitteilung berichten, steht dabei die Verbraucheraufklärung zum Mindesthaltbarkeitsdatum und die Frage: Kann ein Produkt mit abgelaufenem MHD noch bedenkenlos verzehrt werden, im Fokus.

Menschen sollen auf ihre eigenen Sinne vertrauen

Wie es in der Mitteilung heißt, landen in Deutschland jährlich mindestens elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll statt auf dem Essenstisch. Ein Großteil dieser Verschwendung könnte vermieden werden.

In Österreich sind es 760.000 Tonnen, rund 577.000 davon gelten als vermeidbar. Vor allem der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) trägt erheblich zur Lebensmittelverschwendung bei.

„Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verbrauchsdatum! Lebensmittel können noch Tage, Wochen oder sogar Monate nach dessen Ablauf haltbar sein“, sagte Jochen Brühl, Vorsitzender von Tafel Deutschland e.V..

„Mit unserer Aktion möchten wir die Menschen ermutigen, wieder auf ihre Sinne zu vertrauen, zu riechen, zu schmecken, einfach zu probieren, ob etwas noch gut ist oder nicht“, so Brühl.

„Hier besteht viel Diskussionsbedarf, das zeigt unser veröffentlichtes Plakat zum MHD, das mittlerweile ein absoluter Internethit geworden ist. Knapp 2 Millionen Menschen haben es in den Sozialen Medien gesehen, Tausende diskutieren darüber.“

Auf dem Plakat und in einem Flyer sind verschiedene Lebensmittel zu sehen mit dem jeweiligen Vermerk, wie lange diese über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus verzehrt werden können.

Bei vielen davon ist der Hinweis „+1 Jahr“ angegeben.

Einwandfreies Essen wird weggeworfen

„Mit unseren Untersuchungsergebnissen zur Haltbarkeit von verschiedenen Lebensmitteln hat die Wiener Tafel einen Nerv getroffen“, sagte Dr. Alexandra Gruber, Geschäftsführerin der Wiener Tafel und Obfrau des Verbands der österreichischen Tafeln.

„Wir haben sie mit der Tafel Deutschland als Grundlage für das Poster gerne geteilt und freuen uns, dass unsere Erkenntnisse noch breitere Kreise ziehen können.“

Sowohl den Mitarbeitern als auch den Menschen, die unterstützt werden, sei bewusst: „Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Orientierungshilfe, genauso wichtig ist die Kontrolle der Genießbarkeit mit den eigenen Sinnen – Schauen, Riechen, Fühlen, Schmecken“, so Dr. Gruber.

„Aus Angst vor Gesundheitsgefahren werfen viele Menschen leider immer wieder einwandfreies Essen in den Müll“, ergänzte Silke Schwartau, Leiterin der Abteilung Ernährung und Lebensmittel bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

„Dabei muss man keine Angst vor Lebensmittelinfekten haben, wenn man seinen eigenen Sinnen vertraut. Doch viele Verbraucherinnen und Verbraucher sind diesbezüglich unsicher“, sagte die Expertin.

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