Xarelto- und Eliquis-Antidot zugelassen

Am 1. März 2019 hattedie europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung für das Apixaban- und Rivaroxaban-AntidotAndexanet alfa empfohlen. Dieser Empfehlung ist die EuropäischeKommission nun am 26. April gefolgt: Unter dem Markennamen Ondexxyawird das Faktor-Xa-Antidot in Europa auf den Markt kommen – allerdings an Auflagen gebunden, wie Hersteller Portola Pharmaceuticals am gestrigen Montag mitteilte.  

Dabigatran (Pradaxa®), Rivaroxaban (Xarelto®), Edoxaban (Lixiana®) und Apixaban(Eliquis®) zählen zu den nicht-Vitamin-K-antagonistischen oralenAntikoagulanzien (NOAK), die auch als direkte orale Antikoagulanzien (DOAK)bezeichnet werden. Sie alle hatten bis 2015 (nicht nur) eine Gemeinsamkeit: Esgab kein spezifisches, zugelassenes Antidot, das man bei bedrohlichen Blutungen hätteeinsetzen können. Für Dabigatran wurde 2015 schließlich das erste Antidot inEuropa zugelassen: Idarucizumab. Für die anderen NOAK konnte weiterhin im Notfall (nur) aufGerinnungsfaktoren-Konzentrate zurückgegriffen werden, um die Gerinnungwiederherzustellen.

Seit neuestem ist Edoxaban allerdings das einzige NOAK in Europa, für das es noch kein zugelassenesAntidot gibt. Denn am 26. April 2019 hat die Europäische Kommission die auflagengebundene Zulassung fürAndexanet alfa (Ondexxya™) erteilt – „das ersteund einzige“ zugelassene Antidot gegen die Faktor-Xa-Inhibitoren Apixaban undRivaroxaban in der EU, wie Portola Pharmaceuticals am 6. Mai in einerUnternehmensmeldung mitteilte. Andexanet alfa ist ein rekombinantesProtein, das Apixaban und Rivaroxaban im Blut bindet und so deren gerinnungshemmendeWirkung neutralisiert.

Die Markteinführung in Deutschland sei in der zweitenJahreshälfte 2019 geplant: „Der bislang ungedeckte medizinische Bedarf für einAntidot in Europa ist hoch, weil hier – im Vergleich zu den USA – etwa doppeltso viele Patienten einen Faktor-Xa-Inhibitor einnehmen. Und diese Zahlensteigen weiterhin signifikant“, wird ScottGarland, President und Chief Executive Officer von Portola, in derUnternehmensmeldung zitiert. Man konzentriere sich in der EU zunächst auf dieLänder, in denen die Zahl derer, die Faktor-Xa-Inhibitoren einnehmen, amhöchsten ist.

Warum die  Zulassung auflagengebunden ist

Laut EMA wurde die Sicherheit von Ondexxya™ an 352 Patientenuntersucht, seine Wirksamkeit an 167 Patienten. Dabei soll sich gezeigt haben,dass Ondexxya™ seine Wirkung als Antidot innerhalb von zwei Minuten nachVerabreichung entfaltet. Weil diese Daten in ihrem Umfang für eine normaleZulassung nicht ausreichen, Ondexxya™ in der EU aber eine therapeutische Lücke(„unmet medical needs“) füllt, konnte die EMA eine „bedingte“Zulassungsempfehlung aussprechen.

Dabei wird davon ausgegangen, dass die Zulassung imInteresse der öffentlichen Gesundheit erfolgt, weil der Nutzen der sofortigenVerfügbarkeit des Arzneimittels das Risiko überwiegt, welches dadurch gegebenist, dass noch nicht alle üblichen Daten verfügbar sind.

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Auflagengebunden ist die Zulassung also, weilPortola Netherlands B.V., der Zulassungsinhaber, dazu verpflichtetist, eine Reihe von Post-Autorisierungsstudien durchzuführen. So sollen sowohlSicherheit als auch Wirksamkeit innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums weiteruntersucht werden.

In den USA wurde Andexanet alfa unter dem MarkennamenAndexxa® bereits im Frühjahr 2018 – nach Verzögerungen – zugelassen. Allerdings zunächstnicht auf kommerzieller Produktionsebene, wie auf dem Nachrichtenportal FiercePharma im Januar zu lesen war.

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