Die Anti-Gicht-Diät: Welches Essen Ihre Gelenke schützt – und was sie zerstört

Üppiges Essen und reichlich Alkohol können zu schmerzhaften Gichtanfällen führen. Damit es nicht so weit kommt, sollten bestimmte Lebensmittel nur selten auf dem Speiseplan stehen: Fleisch, fetter Fisch oder Bier. Aber auch Smoothies und manchem Gemüse sollten Betroffene aus dem Weg gehen.

Es gibt kaum eine Krankheit, bei der die Ernährung so stark beeinflusst, ob sie verhindert, abgemildert oder geheilt werden kann. Die Rede ist von Gicht, einer Stoffwechselstörung, die sich mit anfallartigen starken Schmerzen in den Gelenken bemerkbar macht. Auslöser sind Ablagerungen von Harnsäurekristallen. Diese entstehen, wenn zu viel Harnsäure im Blut schwimmt. Das geschieht, wenn die Niere nicht in der Lage ist, bestimmte Lebensmittelbestandteile auszuscheiden, die Purine.

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Die Gichtrisiken: Übergewicht, üppiges Essen und Alkohol

Gut eine Million Menschen in Deutschland leiden an Gicht, Männer deutlich öfter als Frauen. Gemeinsam ist ihnen eine Veranlagung für hohe Harnsäurespiegel. Ein gesunder Wert sollte bei Frauen unter sechs Milligramm pro Deziliter Blut liegen, bei Männern unter sieben Milligramm. Liegt die Harnsäurekonzentration über acht Milligramm, liegt eine sogenannte Hyperurikämie vor und das Gichtrisiko steigt deutlich.

Zur genetischen Veranlagung, dass die Nieren Purine nicht ausreichend ausscheiden kann, kommt bei vielen Betroffenen hinzu, dass sie gern und viel essen und trinken. Übergewicht, purinreiche Lebensmittel und viel Alkohol sind die klassischen Risikofaktoren für Gicht.

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Ernährungsmediziner warnen vor strenger Diät

Früher wurde den Patienten eine strenge Diät verordnet. Sie sollten komplett und dauerhaft auf sämtliche purinhaltigen Lebensmittel und Getränke verzichten. Heute sehen Ernährungsmediziner das gelassener. Von einer radikalen Diät oder Fasten raten sie bei Gicht sogar ab. Beim Hungern werden Ketonkörper gebildet, die einen Gichtanfall auslösen können. 

Die zeitgemäße Gicht-Diät erlaubt alle Lebensmittel, bei einigen sollte allerdings genau auf die Menge und die Häufigkeit des Konsums geachtet werden: So sollten die Purinbomben Fleisch, Wurst und fetter Fisch nur in kleinen Portionen und  keinesfalls täglich auf dem Speiseplan stehen. Auch bei einigen Gemüsesorten sollten sich Gichtpatienten zurückhalten. Grüne Bohnen, Brokkoli, Spinat oder die sonst so hochgeschätzten Hülsenfrüchte sind ausgesprochen purinreich.

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Nicht nur Fleisch und Fett, sondern auch Fruchtzucker begünstigen Gicht

Neuere Studien haben gezeigt, dass Gicht auch durch den Konsum von Fruchtzucker begünstigt wird: Fruktose behindert die Harnsäure-Ausscheidung. Dabei geht es weniger um Fruktose in frischem Obst, sondern um den konzentrierten oder zugesetzten Fruchtzucker in Fruchtsaft, Obstkonserven oder auch Eiscreme.

Das Institut für Ernährungsmedizin der Technischen Universität München hat folgende Ernährungsempfehlungen zusammengestellt:

Diese Lebensmittel sind besonders empfehlenswert, weil sie kaum Purine enthalten (weniger als 50 Milligramm pro 100 Gramm bzw. Portion):

  • Milch und Milchprodukte
  • Käse
  • Eier
  • Nüsse und Samen
  • Gemüse: Blattsalate, Tomaten, Paprika, Radieschen, Fenchel, Karotten, Gurke, Zucchini, Zwiebel
  • Kartoffeln, Reis, Teigwaren,
  • Getreideprodukte (Weiß- und Vollkornbrot)

Diese Lebensmittel sollten nicht täglich auf dem Speiseplan stehen. Sie enthalten 50 bis 150 Milligramm Harnsäure pro 100 Gramm bzw. Portion:

  • Gemüse: Spinat, Spargel, verschiedene Kohlsorten,  Lauch, Champignons
  • Frisches Obst
  • Fisch (Scholle, Kabeljau, Rotbarsch)
  • Wild
  • Geflügel ohne Haut
  • Lamm, Schwein, Kalb
  • Wurst, andere Fleischerzeugnisse Getty Images/iStockphoto

Diese Lebensmittel sollten Gichtpatienten möglichst meiden wegen des Harnsäuregehalts von über 150 Milligramm pro 100 Gramm bzw. Portion:

  • Geflügel mit Haut
  • Innereien
  • Fleischextrakt, Boullion
  • Hering, Ölsardinen, Lachs, Makrele, Sprotten, Anchovis (Sardellen)
  • Krustentiere
  • Hülsenfrüchte (grüne Erbsen, Kichererbsen, Sojabohnen, Linsen)
  • Fruchtsaft, Smoothies und mit Fruktose gesüßte Lebensmittel.

Risikofaktor Alkohol

Ganz unabhängig von einer Erkrankung wird Alkohol allenfalls in Maßen empfohlen. Für Gichtpatienten gilt daher auch: keinesfalls mehr als zwei Gläser pro Tag für Männer, ein Glas für Frauen. Alkohol fördert die die Harnsäurebildung und hemmt den Harnsäureabbau der Nieren. Das gilt besonders für harte Spirituosen. Auch Bier (selbst alkoholfreies) ist besonders ungünstig.

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