Blue-Poop-Challenge: Warum jetzt alle auf dem Klo blau machen wollen

Die Wahrheit ist, übers "große Geschäft" spricht man öffentlich eher nicht. Man trifft nicht zufällig auf der Straße den Nachbarn, grüßt sich und tauscht sich darüber aus, wie es mit dem Stuhlgang klappt. Was in der Kloschüssel landet, bleibt normalerweise in der Kloschüssel – bis jetzt. Denn plötzlich ist das Internet voller "Poop" (flapsig übersetzt: Kacke). Hinter der Aktion mit dem Hashtag #BluePoopChallenge steckt die Aufforderung, den eigenen Kot durch gezielte Nahrungsaufnahme blau zu färben und einen tiefen Blick in die Kloschüssel zu werfen. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Party-Gag für Kindergeburtstage. Es geht um die Darmgesundheit. 

Die Aktion ist simple: Lebensmittel werden mit blauer Farbe eingefärbt, gegessen und danach protokolliert, wie lange es dauert, bis das, was oben reingeschaufelt wurde, hinten wieder rauskommt. Die Zeit zwischen Nahrungsaufnahme und Ausscheidung wird Darmtransitzeit genannt. Diese Dauer soll Aufschluss darüber geben, wie es um die Darmgesundheit bestellt ist. Geht es sehr schnell oder dauert sehr lange, wird dies mit einem Ungleichgewicht der Darmflora assoziiert. 

Gestörte Verdauung


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Stuhlgang aus der Schmuddelecke holen

Dass es neuerdings auf Social Media um die Wurst geht (keine Sorge, die publizierten Bilder zeigen nur blaue Lebensmittel), liegt an dem Gesundheitsunternehmen Zoe. Dieses leitet das weltweit größte Forschungsprogramm zur Ernährung und arbeitet dafür mit Wissenschaftler:innen des Massachusetts General Hospital, King's College London, Stanford Medicine und der Harvard T.H. Chan School of Public Health zusammen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts, welches das Unternehmen gemeinsam mit Forschenden des King’s College und der italienischen Universität Trient umsetzte, nahmen die Forschenden die Darmflora genauer unter die Lupe.

Untersucht wurde unter anderem, wie schnell der Darm arbeitet und wie es um das Mikrobiom bestellt ist. Dafür fütterte das Forscherteam die rund 860 Teilnehmenden mit Muffins, die zuvor mit einem Lebensmittelfarbstoff gefärbt worden waren. Die Farbe dient als Marker, denn sie verändert auch die Farbe des Kots. Die Transitzeit ist also leicht nachzuvollziehen. Die Ergebnisse wurden bereits im Fachblatt "BMJ" veröffentlicht. Und weil das Verfahren so wunderbar simple ist, bietet es sich auch für den Selbstversuch an – so entstand die Mitmachaktion, die längst zum viralen Internettrend geworden ist. Sie soll dazu beitragen, die Auseinandersetzung mit dem Stuhlgang aus der Schmuddelecke zu holen und dafür, dass der Darmgesundheit mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn der Darm ist für weit mehr verantwortlich als die Verdauung, er hat einen enormen Einfluss auf das Wohlbefinden insgesamt.

Welche Darmtransitzeit ist optimal? Das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Daher ist die Aktion auch kein Ersatz für einen Arztbesuch und dient nicht dazu, Krankheiten zu diagnostizieren. Manche Studienteilnehmer schieden die Nahrung schon nach weniger als 12 Stunden wieder aus, anderen benötigten mehrere Tage. Auf der Webseite des Unternehmens ist nachzulesen, "eine Darmtransitzeit von 14-58 Stunden ist ein guter Wert und deutet darauf hin, dass Ihr Darm so funktioniert, wie er sollte". Allerdings hängt die Transitzeit von vielen Faktoren ab – nicht nur Verstopfung und Durchfall können einen Einfluss auf sie haben. Bei jedem Menschen arbeitet der Darm unterschiedlich. Das A und O ist daher, zu wissen, wie der eigene Körper arbeitet, den Normalzustand in Sachen Verdauung zu kennen.

Rezepte zur #BluePoopChallenge sowie Hintergrundinformationen wie zu den diversen Stuhlgangtypen und auch eine Auswertung der Resultate bietet Zoe online auf seiner Webseite an. Weitere Infos dazu, worauf in Sachen Kot zu achten ist, bietet die Bristol-Stuhlformen-Skala.

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