Corona-Gipfel im Kanzleramt: Expertenrat will 1G-Regel für Großveranstaltungen

Fast vier Millionen Impfdosen sind seit Dezember in Deutschland abgelaufen. Justizminister Marco Buschmann kündigt eine Rückkehr der Maskenpflicht an. Gesundheitsminister Karl Lauterbach empfiehlt auch unter 60-Jährigen eine vierte Corona-Impfung. Stiko-Chef Thomas Mertens findet das überzogen. Alle News finden Sie hier im Corona-Ticker.

News zu Corona vom 19. Juli 2022

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RKI registriert 160.691 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz bei 744,2

Dienstag, 19. Juli, 05.46 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstagmorgen mit 744,2 angegeben. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.00 Uhr wiedergeben.

Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 708,6 gelegen (Vorwoche: 702,4; Vormonat: 421,9). Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 160.691 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 154.729) und 102 Todesfälle (Vorwoche: 165) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen oder Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 29.853.680 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Corona-Gipfel im Kanzleramt: Expertenrat will 1G-Regel für Großveranstaltungen

17.08 Uhr: Am vergangenen Donnerstag fand laut „Bild“-Zeitung ein Corona-Gipfel im Kanzleramt statt. Demnach besprachen Kanzleramts-Chef Wolfgang Schmidt, die Chefs der Staatskanzleien, Vertreter des Gesundheitsministeriums sowie Corona-General Carsten Breuer.

Thema der Sitzung: Der Corona-Plan für den Herbst und Winter. Ein Vertreter des Sachverständigenausschusses habe demnach vorgeschlagen, für Großveranstaltungen wieder die 1G-Regel einzuführen. Hieße: Wer auf eine solche Veranstaltung will, muss sich vorher testen lassen – egal, ob geimpft oder nicht.

Außerdem soll es eine neue Impf-Kampagne geben. 50 bis 60 Millionen Deutsche sollen laut „Bild“ im Herbst geimpft werden – dann sind auch die an die neuen Varianten angepassten Impfstoffe verfügbar.

Fast vier Millionen Impfdosen in Deutschland sind seit Dezember abgelaufen

13.17 Uhr: In Deutschland sind zwischen Anfang Dezember 2021 und Ende Juni etwa 3,9 Millionen Corona-Impfdosen verfallen. Das teilte das Gesundheitsministerium in Berlin auf eine parlamentarische Anfrage des Unions-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger (CSU) mit, über die zuerst das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Sonntag) berichtete und die auch der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Es handele sich um Impfdosen des Herstellers Moderna, die auf „unterschiedlichen Stufen der logistischen Lieferkette verfallen sind“, wie es in der Antwort heißt. Die Daten über den Verfall lägen der Bundesregierung aber nur vor, wenn Ärzte und Apotheken sie an den pharmazeutischen Großhandel gemeldet hätten. Insgesamt hatte die Bundesregierung in dem genannten Zeitraum rund 134,3 Millionen Impfdosen bestellt. Es sei keine Dose gespendet worden. Die internationale Impfstoffallianz Gavi hatte erklärt, derzeit keine Spenden mehr anzunehmen, da es keinen Bedarf gebe.

Der CSU-Politiker Pilsinger sagte dem RND, besonders in Zeiten knapper Kassen und von Inflation dürfe der Staat das Steuergeld der Bürger nicht sinnlos zum Fenster hinauswerfen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sitze auf einem „wachsenden Berg von Impfstoff, der zu verfallen droht“.

Studie: Fast alle Jugendliche schon mit Corona-Antikörpern

Sonntag, 17. Juli, 11.19 Uhr: Laut einer in Vorpommern durchgeführten Studie hat der weitaus überwiegende Teil der untersuchten Jugendlichen bereits Coronavirus-Antikörper. „In der älteren Altersgruppe von 13 bis 18 sind jetzt fast alle geimpft oder genesen“, sagte die Leiterin der Untersuchung, Almut Meyer-Bahlburg, der Deutschen Presse-Agentur. Der Anteil der Proben mit Antikörpern betrage um die 95 Prozent. Sie stammten von einer Impfung oder einer durchmachten Erkrankung.

Seit Ende 2020 prüfen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Blutproben, die bei Untersuchungen von Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren anfallen, auf Antikörper. Mittlerweile seien etwa 1300 Proben untersucht worden. Mit sinkendem Alter nehme auch der Anteil der Kinder mit Antikörpern ab. Das liegt nach Aussage von Meyer-Bahlburg, Oberärztin an der Kinderklinik der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), auch daran, dass jüngere Kinder seltener geimpft seien.

Die Studien-Teilnahme erfolgt nach Zustimmung der Eltern beziehungsweise der Jugendlichen. Die UMG kooperiert dazu mit Krankenhäusern in Pasewalk, Stralsund, Anklam, Demmin, Bergen und zwei Praxen in Greifswald. Sei die Erhebung längere Zeit weitgehend repräsentativ gewesen, wuchs laut Meyer-Bahlburg zuletzt der Anteil der Proben aus Greifswald.

Der eigentliche Fokus der Studie liegt auf der Erfassung der Dunkelziffer. Zu unentdeckten Infektionen werden Proben zugeordnet, wenn der oder die Betroffene nicht geimpft ist und ihm oder ihr auch keine Infektion zuvor bewusst war. Zur Abfrage dient ein Fragebogen.

Die Dunkelziffer war gerade im Zusammenhang mit Schutzmaßnahmen in Schulen immer wieder Thema gewesen. Die Untersuchung ergab bislang eine eher geringe Dunkelziffer. Der Anteil zuvor unentdeckter Infektionen habe im Verlauf zwar leicht zugenommen, liege insgesamt aber nur bei etwa zwei Prozent, sagte Meyer-Bahlburg. Das sei „wirklich nicht sehr hoch„. Sie führe das auch auf engmaschige Tests zurück. Auch Omikron habe nicht zu einer “Explosion“ geführt.

Derzeit befinde man sich in der statistischen Auswertung, bei der auch Faktoren berücksichtigt werden sollen, die mittels Fragebogen erfasst wurden – etwa Betreuung der Kinder oder Familiengröße. Die Studie sei ursprünglich bis Ende Oktober finanziert, gegebenenfalls könne man auch noch länger Proben sammeln. Eine zusätzliche Analyse soll auch die Unterscheidung von Antikörpern infolge einer Impfung und Antikörpern infolge einer Infektion ermöglichen. Eine Publikation sei geplant.

Ein weiteres vorläufiges Ergebnis der Studie: Den Angaben der Fragebögen zufolge belastete die Corona-Pandemie Eltern und Kinder zuletzt weniger stark als zu Beginn der Studie.

„Wird sicher eine Rolle spielen“: Buschmann kündigt Rückkehr der Maskenpflicht an

Samstag, 16. Juli, 08.45 Uhr: Nach Aussage von Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) will die Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Pandemie auch künftig eine Maskenpflicht in Innenräumen ermöglichen. Eine „Form der Maskenpflicht in Innenräumen“ werde „in unserem Konzept sicher eine Rolle spielen“, sagte Buschmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Einen erneuten Lockdown oder Schulschließungen schloss Buschmann hingegen aus.

„Wir sind uns einig in der Koalition, dass es keinen Lockdown mehr geben wird, keine pauschalen Schulschließungen und auch keine Ausgangssperren“, sagte Buschmann. Das seien „unangemessene Instrumente im dritten Jahr der Pandemie“. Buschmann sagte, der Ende Juni veröffentlichte Evaluierungsbericht zur Corona-Politik habe „auf die hohen seelischen und sozialpsychologischen Auswirkungen hingewiesen – ganz zu schweigen von den Folgen bei der Bildung junger Menschen.“ Diese halte er für nicht vertretbar. 

Buschmann sagte, er sei „guter Dinge“, dass die von der Regierung angestrebte Änderung des Infektionsschutzgesetzes im September vom Parlament verabschiedet werden könne. Der Justizminister kündigte zudem eine „sehr ambitionierte Impfkampagne“ vor allem in Alten- und Pflegeheimen an. Diese werde „ein großer Beitrag sein, dass weniger Menschen sterben oder schwer erkranken“.

Stiko-Chef Mertens widerspricht Lauterbach: „Können nicht jedes Jahr gesamte Bevölkerung impfen“

12.49 Uhr: Der Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, hat Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach widersprochen. Der hatte am Donnerstag die vierte Impfung für alle, auch für Menschen unter 60 Jahren, empfohlen.

Er kenne keine Daten, die eine solche Empfehlung rechtfertigen würden, sagte Mertens der „Welt am Sonntag“. „Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ‚Viel hilft viel‘ auszusprechen.“

Während er die Empfehlung der EU, Menschen über 60 ein viertes Mal zu gegen Corona impfen, teilt, widerspricht er Lauterbach bei seiner neuesten Empfehlung. Es sei wichtig, sich klarzumachen, dass „wir nicht jedes Jahr ständig die gesamte Bevölkerung – also auch jüngere, gesunde Menschen – impfen können“. Ziel bei den Impfungen sei es nicht, Infektionen zu vermeiden, sondern Erkrankungen.

Die dreimalige Impfung schütze gut vor schweren Verläufen, so Mertens weiter. „Aber die Übertragung des Virus wird nur gering beeinflusst.“

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