COVID-19 als Chance für eine klimaschonende und gesündere Gesellschaft – Heilpraxis

Aus der COVID-19-Pandemie für die Bewältigung der Klimakrise lernen

Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat sich gezeigt, dass die Weltgemeinschaft durchaus zu einem entschlossenen gemeinschaftlichen Handeln in der Lage ist, um derartige Krisen zu bewältigen. Mit gleichem Engagement sollte jetzt die Klimakrise angegangen werden, auch um die drohenden weitreichenden Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu vermeiden, so die Forderung in einem aktuellen Fachbeitrag des „British Medical Journal“ (BMJ).

Das internationale Forschungsteam um Professorin Maria Nilsson von der Universität Umeå (Schweden) betont, dass die Klimakrise insgesamt eine deutlich größere Bedrohung für die menschliche Gesundheit darstelle, als die aktuelle Coronavirus-Pademie. Entschlossenes gemeinschaftliches Handeln sei dringend erforderlich, um die Gesundheitsrisiken durch die Klimakrise möglichst zu minimieren. Die Autorinnen und Autoren fordern daher ein vergleichbares politisches und finanzielles Engagement wie im Kampf gegen die COVID-19-Pandemie.

Der Gesundheit Priorität einräumen

Die COVID-19-Pandemie ist eine globale Krise, in der fast alle Länder weltweit zeitnah Gegenmaßnahmen ergriffen haben. Dies zeige, „dass die globale Gemeinschaft in der Lage ist, der Gesundheit Priorität einzuräumen“, betonen Professorin Nilsson und ihr Team. Auch die Mobilisierung großer finanzieller Ressourcen sei umgehend erfolgt und weitreichende Entscheidungen über Finanzen und restriktive Maßnahmen wurden getroffen. Trotz anfänglich begrenzter wissenschaftlicher Beweise unterstützten die meisten Menschen diese Maßnahmen.

Gesundheitliche Folgen der Klimakrise

Hier zeige sich allerdings auch ein deutlicher Kontrast zu der unzureichenden politischen Bereitschaft, in der Klimakrise zu handeln. Beispielsweise steigen die globalen Kohlenstoffemissionen trotz langjähriger internationaler Vereinbarungen zu ihrer Reduzierung weiter an. Und das, obwohl die Klimakrise „mittel- und langfristig wahrscheinlich eine größere globale Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellen wird, als COVID-19“, schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Umweltzerstörung, Klimakrise und der Verlust der Artenvielfalt haben erheblich Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Ökosystemleistungen, von denen wir abhängig sind. Besonders gefährdet sind dabei zum Beispiel ältere Menschen, Kinder, schwangere Frauen und Menschen mit Vorerkrankungen, erläutert die Expertinnen und Experten.

Luftverschmutzung verursacht Millionen Todesfälle

Die Forschenden nennen als zwei Beispiel, die die fatalen Folgen der Umweltzerstörung für die Gesundheit deutlich machen, hitzebedingte Todesfälle und Atemwegserkrankungen in Verbindung mit der Luftverschmutzung. Schon heute seien jedes Jahr rund sieben Millionen Todesfälle weltweit auf die Luftverschmutzung zurückzuführen.

Zoonosen durch Umweltzerstörung begünstigt

„Die Umweltzerstörung hat auch einen direkteren Zusammenhang mit COVID-19. Die meisten neu auftretenden Infektionskrankheiten – und alle, die für die jüngsten Pandemien verantwortlich waren, einschließlich HIV/AIDS, SARS und Ebola – sind von Wildtieren auf den Menschen übergesprungen, und es gibt Hinweise darauf, dass dies auch bei COVID-19 der Fall ist“, schreiben die Forschenden. Es sei bekannt, dass die Umwandlung natürlicher Lebensräume in vom Menschen beeinflusste Ökosysteme und der Verlust der Artenvielfalt das Risiko neuer zoonotischer Krankheiten beim Menschen erhöhen.

Konjunkturprogramme sollten dem Klimaschutz dienen

Insgesamt zeige die COVID-19-Pandemie, „dass ein gesellschaftlicher Wandel durch schnelles, kohärentes internationales Handeln, das Setzen von Prioritäten und die Mobilisierung finanzieller Ressourcen möglich ist“, betonen die Expertinnen und Experten. Nun seien zum Beispiel Konjunkturprogramme erforderlich, die auch dem Klimaschutz dienen, die Umweltzerstörung und die Luftverschmutzung reduzieren, die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme erhöhen und die Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung stärken.

Beispielsweise sei nach der Pandemie eine unmittelbare Zunahme des Verkehrs und des Reisens zu erwarten, aber dies müsse auf Energiequellen basieren, die nicht zu einem beschleunigten Klimawandel beitragen. Ein guter Ansatzpunkt sei hier, die Umschichtung von Subventionen, um den Verbrauch und die Entwicklung nachhaltiger Energie und Technologie zu unterstützen. Dies könne aus den weltweiten Subventionen für den Verbrauch fossiler Brennstoffe erfolgen, die von 2016 bis 2018 um 50 Prozent gestiegen sind.

Globale Führung erforderlich

Ein entscheidender Aspekt ist laut Aussage den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch, dass bei globalen Herausforderungen eine globale Führung erforderlich wird. Bei der COVID-19-Pandemie habe die Weltgesundheitsorganisation WHO eine entscheidende Rolle gespielt und sie brauche nun die Unterstützung der Mitgliedsstaaten, um ihre Möglichkeiten zur Bewältigung künftiger Pandemien und Gesundheitskrisen zu stärken und ihr ein breiteres Mandat in der Zusammenarbeit mit anderen UN-Umwelt- und Entwicklungsorganisationen zu geben.

„Die Führungsrolle der WHO bei der Bekämpfung von Umwelt- und Klimakrisen ist von entscheidender Bedeutung, da sie kurz- und langfristige Strategien, Überwachungssysteme und koordinierte Reaktionen von nationalen Regierungen, dem Wirtschaftssektor und der Gesellschaft insgesamt erfordern“, betonen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zudem habe der Internationale Währungsfonds (IWF) während der Pandemie eine Schlüsselrolle gespielt und die Mitgliedsländer unterstützt. Dies sei nun auch bei den Herausforderung der Klimakrise erforderlich.

Wesentliche Eckpunkte für die zukünftige Entwicklung

Das Team um Professorin Nilsson hebt als Eckpunkte für die zukünftige Entwicklung folgende Faktoren hervor:

  • Reduzierung der Treibhausgasemissionen sowohl kurz- als auch langfristig, da dies für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen unerlässlich ist.
  • Investitionen und Ressourcen, die in Konjunkturprogramme nach COVID-19 fließen, sollten die Umstellung auf erneuerbare Energiequellen und eine nachhaltige Entwicklung unterstützen.
  • Aufbau von Gesundheitssystemen, die gegenüber den vorherrschenden Umwelt- und Klimakrisen resilient sind.
  • Globale Zusammenarbeit wie bei COVID-19, um die Gesundheit des Planeten und das menschliche Wohlergehen zu verbessern.

„Während der gesamten Pandemie haben die nationalen Entscheidungsträger bewiesen, dass sie bereit sind, Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen zu treffen. Jetzt gilt es, diese Krise zu nutzen und Maßnahmen zum Schutz der Menschen und des Planeten umzusetzen. (…) Wenn wir jetzt handeln, werden wir die Gesundheit der heutigen und zukünftigen Generationen verbessern“; so das Fazit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. (fp)

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