COVID-19 bei Kindern: Das lebensbedrohliche MIS-C und wie es zu erkennen ist – Heilpraxis

Multisystemisches Entzündungssyndrom bei Kindern durch COVID-19

Bei Kindern nehmen Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 meist einen harmlosen Verlauf und die Heranwachsenden gelten als deutlich weniger anfällig für schwere Erkrankungen an COVID-19. Doch bei manchen Kindern kann die SARS-CoV-2-Infektion zu einem lebensbedrohlichen multisystemischen Entzündungssyndroms (Multisystem Inflammatory Syndrome in Children; MIS-C) führen.

Sind neben Fieber auch gastrointestinale Beschwerden, eine Bindehautentzündung oder ein Ausschlag zu beobachten, kann dies auf ein MIS-C hinweisen und es ist dringend eine Untersuchung in der Notaufnahme einer Kinderklinik angeraten, berichtet das Fachmagazin „BMJ“ in einem aktuellen Beitrag. Das MIS-C ist ein neu auftretendes Beschwerdebild, welches in direktem Zusammenhang mit SARS-CoV-2-Infektionen zu sehen ist, jedoch bis zu sechs Wochen nach der eigentlichen Infektion auftreten kann.

Oft unspezifische bei Kindern

Zwar zeigen Kinder bei COVID-19 oftmals keine oder eher unspezifische Beschwerden, doch Fieber und Atemwegssymptome sowie Geschmacks- oder Geruchsverlust sind auch bei ihnen typische Anzeichen für COVID-19. In sehr seltenen Fällen entwickeln Kindern zudem auffällige Beschwerden, die auf eine Art hyperinflammatorisches Syndrom hinweisen, das in der Fachwelt als MIS-C bezeichnet wird und im April 2020 erstmals beschrieben wurde.

Was kennzeichnet ein MIS-C?

Das MIS-C kann etwa zwei bis sechs Wochen nach der SARS-CoV-2-Infektion noch auftreten und ist laut Angaben des „BMJ“ durch folgende Faktoren gekennzeichnet:

  • Fieber über mehr als 24 Stunden,
  • erhöhte Entzündungsmarker,
  • Multi-Organ-Dysfunktion (in mehr als zwei Bereichen; kardial, dermatologisch, gastrointestinal, renal, respiratorisch, hämatologisch und/oder neurologisch),
  • fehlende plausible Alternativdiagnose,
  • positiver Test auf SARS-CoV-2 oder enger Kontakt mit einer Person mit COVID-19 innerhalb von vier Wochen nach Symptombeginn.

Typischerweise sind Kinder im Schulalter betroffen (medianes Alter acht Jahre), obwohl auch Fälle im Säuglings- und jungen Erwachsenenalter dokumentiert wurden, berichtet das „BMJ“. Kinder mit MIS-C zeigen dabei anhaltendes Fieber und haben am häufigsten gastrointestinale Symptome (z. B. Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall), Schleimhautveränderungen (z. B. Hautausschlag, Bindehautentzündung) und können auch neurologische Symptome (z. B. Kopfschmerzen, Meningismus) aufweisen, erläutert das Fachmagazin.

MIS-C bilde eine fortschreitende Erkrankung, und Betroffene, die zunächst leichte Symptome haben, können innerhalb weniger Tage nach Symptombeginn eine schwere Erkrankung mit Multiorgan-Dysfunktion entwickeln. „Zu den kritischen Anzeichen können hämodynamische Instabilität, Tachykardie, linksventrikuläre Dysfunktion und Atemnot gehören, die primär oder durch eine kardiale Dysfunktion verursacht sein können“, so das „BMJ“.

Welche Untersuchungen sind angeraten?

Wenn der Verdacht auf MIS-C besteht, sei es wichtig, Labortests durchzuführen, um Anzeichen für Entzündungen, kardiale und andere Organdysfunktionen festzustellen. Zusätzliche werde auch eine diagnostische Bildgebung auf der Grundlage der Befunde der körperlichen Untersuchung und der Laborergebnisse empfohlen. „Bei allen Patienten, bei denen ein starker Verdacht auf MIS-C besteht, sollte ein Echokardiogramm durchgeführt werden, um die Herzfunktion zu beurteilen und um nach Anzeichen für eine Koronararteriendilatation zu suchen“, berichtet das „BMJ“.

MIS-C insgesamt selten

Insgesamt bilde MIS-C eine seltene Komplikation bei SARS-CoV-2-Infektionen, doch müsse diese kritische Diagnose derzeit in Regionen mit aktivem Corona-Geschehen bei jedem Kind mit Fieber, Anzeichen einer Entzündung und Organdysfunktion in Betracht gezogen werden. Nach entsprechender Diagnosestellung könne eine sofortige Behandlung mit intravenösem Immunglobulin und Steroiden die Entzündungsreaktion reduzieren und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, so das „BMJ“ weiter.

Weitere Studien erforderlich

Die Erkenntnisse zu der Wirkung der Behandlungsansätze bei MIS-C bleiben bisher allerdings begrenzt und es sind dringend zusätzliche Studien erforderlich, um die Pathophysiologie von MIS-C zu verstehen und die effektivsten therapeutischen Maßnahmen zu ermitteln, so der Hinweis des „BMJ“. Beruhigend sei allerdings, dass die Sterblichkeitsrate bei Kindern und Jugendlichen insgesamt sehr niedrig bleibt und die Heranwachsenden beispielsweise in den USA unter ein Prozent aller Todesfälle im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 ausmachen. (fp)

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