COVID-19: Extreme Gehirnschäden selbst bei leichten Fällen – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Wie gefährlich ist COVID-19 für das Gehirn?

Durch das Coronavirus können als Spätfolgen extreme Schäden am Hirn und am zentralen Nervensystem ausgelöst werden, selbst bei leichten Fällen der Erkrankung. Hier ist dringend weitere Forschung erforderlich, um die Langzeitfolgen von COVID-19 besser zu verstehen.

Bei einer aktuellen Untersuchung unter Beteiligung des University College London wurde festgestellt, dass das Coronavirus zu extremen Schäden am menschlichen Gehirn beitragen kann. Die Ergebnisse wurden in dem englischsprachigen Fachblatt „Brain“ publiziert.

42 Teilnehmende wurden untersucht

Die aktuelle Studie liefert eine detaillierte Darstellung der neurologischen Symptome von 43 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 85 Jahren, bei denen COVID-19 bereits bestätigt wurde oder eine Erkrankung angenommen wurde.

Coronavirus schadet verschiedenen Organen

Anfangs wurde angenommen, dass COVID-19 lediglich die Lunge betrifft, mittlerweile gibt es allerdings viele Hinweise dafür, dass das Coronavirus auch in der Lage ist andere Organe anzugreifen und dort massive Schäden verursacht.

Ist eine Epidemie von Hirnschäden zu erwarten?

Die Forschenden identifizierten eine unerwartet hohe Anzahl von Menschen mit neurologischen Erkrankungen, die nicht immer mit dem Schweregrad der Atemwegssymptome korrelierten. Dies sollte berücksichtigt werden, wenn Menschen an COVID-19 erkrankt sind. Es bleibt abzuwarten, ob es im Zusammenhang mit der Pandemie zu einer Epidemie großen Ausmaßes von Hirnschäden kommen wird, berichtet das Team.

Welche Erkrankungen traten auf?

Die Forschenden identifizierten bei ihrer Studie zehn Fälle von vorübergehenden Enzephalopathien (vorübergehende Hirnfunktionsstörungen) mit Delirium. Es gab außerdem zwölf Fälle von Gehirnentzündungen, acht Fälle von Schlaganfällen und acht weitere Fälle von Nervenschäden.

Starke Zuname der ADEM

Bei neun von zwölf Fällen von Hirnentzündung wurde eine akute demyeliniserende Enzyphalomyelitis (ADEM) diagnostiziert. ADEM ist selten, kann durch Virusinfektionen ausgelöst werden und tritt typischerweise bei Kindern auf. Im Zuge der Coronavirus-Pandemie konnte eine massive Zunahme von erwachsenen Personen mit ADEM beobachtet werden. Dies ist nach Ansicht der Forschenden ein wirklich besorgniserregender Anstieg.

Virus greift Gehirn nicht direkt an

Das COVID-19 verursachende Virus konnte bei keinem der Teilnehmenden in der Hirnflüssigkeit nachgewiesen werden. Dies deutet darauf hin, dass das Virus das Gehirn nicht direkt angreift. Es sind nun weitere Untersuchungen erforderlich, um herauszufinden, warum die untersuchten Personen diese Komplikationen entwickelten.

Komplikationen wegen Immunreaktion?

Bei einigen Patienten fanden die Forschenden Hinweise darauf, dass die Hirnentzündung wahrscheinlich durch eine Immunreaktion auf die Krankheit verursacht wurde. Dies deutet darauf hin, dass einige neurologische Komplikationen von COVID-19 eher auf die Immunreaktion als auf das Virus selbst zurückzuführen sein könnten, erläutern die Forschenden.

Langzeitfolgen von COVID-19 sind noch unklar

„Angesichts der Tatsache, dass die Krankheit erst seit einigen Monaten besteht, wissen wir noch nicht, welche Langzeitschäden COVID-19 verursachen kann“, erklärt Studienautor Dr. Ross Paterson vom University College London in einer Pressemitteilung.

Wie sollten Ärzte und betroffene Personen reagieren?

Ärzte und medizinisches Personal sollten sich der möglichen neurologischen Auswirkungen bewusst sein, da eine frühe Diagnose die Ergebnisse der erkrankten Personen verbessern kann. Menschen, welche sich von dem Virus erholen, sollten bei neurologischen Symptomen professionellen Rat einholen.

Ergebnisse ermöglichen weitere optimierte Forschung

Die Studie fördert das Verständnis der verschiedenen Möglichkeiten, auf welche Weise Covid-19 das Gehirn beeinflussen kann. Dies wird bei zukünftiger Behandlung der Erkrankung von größter Bedeutung sein, betonen die Forschenden. Außerdem machen die Ergebnisse klar, dass bei COVID-19-Erkrankungen eine langfristige Nachbeobachtungszeit nötig sein wird. Zumal auch in anderen Untersuchungen vermehrt Hinweise auf gefährliche Spätfolgen bei COVID-19 entdeckt wurden. (as)

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