COVID-19-Forschung: Guillain-Barré-Syndrom nach SARS-CoV-2-Infektion – Heilpraxis

Guillain-Barré-Syndrom als Folge von COVID-19

Zu den langfristigen Folgen der Infektionen mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 sind die Erkenntnisse in den vergangenen Monaten deutlich gewachsen, doch immer noch bleibt vieles unklar und kontinuierlich kommen neue Erkenntnisse hinzu. So wird in dem Fachmagazin „BMJ Case Reports“ aktuell der Fall eines Patienten beschrieben, der Monate nach der SARS-CoV-2-Infektion schwere neurologische Beschwerden in Form eines sogenannten Guillain-Barré-Syndroms (auch akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie) entwickelte.

Das britische Forschungsteam vom Portsmouth Hospitals University NHS Trust berichtet von dem Fall eines 46-jährigen Patienten, der im Anschluss an die Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zeitlich verzögert eine akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie zeigte. Bei den möglichen Folgen von COVID-19 sollte daher das Guillain-Barré-Syndrom dringend berücksichtigt werden, betonen die Forschenden.

Auffällige sensorische Symptome

Den Angaben des Forschungsteams zufolge zeigte der Mann „53 Tage nach einer COVID-19-Pneumonitis schmerzhafte sensorische Symptome mit beidseitigen Beinschmerzen und Gefühlsverlust in den Füßen, gefolgt von einer schnell fortschreitenden Schwäche der unteren Motoneuronen, die alle Gliedmaßen, das Gesicht und die Atemmuskulatur betraf und eine Beatmungsunterstützung erforderte.“

Hinweise auf ein Guillain-Barré-Syndrom

In weiteren Untersuchungen der Nervenleitfähigkeit und des Liquors (Zerebrospinalflüssigkeit) habe sich eine Übereinstimmung mit den Diagnosekriterien eines Guillain-Barré-Syndroms ergeben, die laut Aussage der Forschenden die Diagnose einer akuten entzündlichen demyelinisierenden Polyradikuloneuropathie unterstützt.

Vorherige Infektionen als Auslöser

Das Guillain-Barré-Syndrom entsteht am häufigsten durch eine Immunreaktion nach Exposition gegenüber bestimmten viralen oder bakteriellen Antigenen und bei zwei Dritteln der Fälle liege eine bakterielle (Campylobacter jejuni, Mycoplasma sp) oder eine virale (Cytomegalovirus, Ebstein-Barr-Virus, HIV, Hepatitis B und C, Zika-Virus, Influenza usw.) Infektion vor dem Auftreten der Symptome vor, erläutern die Forschenden. Die akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie sei die häufigste Form des Syndroms in Großbritannien und trete oft nach Infektionen der Atemwege oder des Verdauungstrakts auf.

Drohende lebensgefährliche Komplikationen

Das Guillain-Barré-Syndrom ist potenziell lebensbedrohlich und sollte daher sorgfältig überwacht werden, betont das Forschungsteam. Zu den Komplikationen gehöre auch Atemversagen, das eine Intubation und Beatmung erfordert (20 bis 30 Prozent der Betroffenen). Bei entsprechender Therapie erholen sich den Angaben der Forschenden zufolge jedoch rund 85 Prozent der Erkrankten gut.

Patient hat sich erholt

Auch der 46-jährigen Patient hat sich mittlerweile funktionell gut erholt und drei Monate nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus ist er wieder in der Lage, selbständig zu gehen. Nur für längere Strecken braucht er noch einen Gehstock. „Seine wichtigsten Restsymptome sind intermittierende neuropathische Schmerzen und Parästhesien in den distalen Gliedmaßen“, schreiben die Forschenden.

Neuer Aspekt bei Long-COVID-19?

Die verzögerte neurologische Funktionsstörung, die bei unserem Patienten nach einer SARS-CoV-2-Infektion auftrat, könnte auf einen neuartigen Krankheitsmechanismus hinweisen, der Teil des „long COVID-19-Syndroms“ ist., so das Fazit des Forschungsteams. (fp)

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