COVID-19: Welche Rolle spielt die Übertragung durch Menschen ohne Symptome? – Heilpraxis

Wie groß ist das Übertragungsrisiko durch asymptomatische Infizierte?

Ein beachtlicher Anteil der Personen, die sich mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, entwickelt keinerlei Symptome. Welche Rolle diese Menschen bei der Übertragung des Virus spielen, bleibt bislang unklar.

Wie infektiös sind Menschen, die keine Symptome haben? Und wie groß ist ihr Beitrag zur Übertragung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2? Ein aktueller Artikel des Fachmagazins „BMJ“ fasst den bisherigen Kenntnisstand zusammen, wobei allerdings deutlich wird, dass hier noch erhebliche Unsicherheiten bestehen.

Wie viele Infizierte sind asymptomatisch?

Schon der Anteil der Personen, die trotz SARS-CoV-2-Infektion keinerlei Symptome entwickeln, ist in der Fachwelt umstritten. Anfängliche Schätzungen gingen davon aus, dass rund 80 Prozent der Infektionen asymptomatisch verlaufen, doch wurde diese Schätzung inzwischen auf 17 bis 20 Prozent der Infizierten korrigiert, berichtet das „BMJ“. Viele Personen, die zunächst als asymptomatisch definiert wurden, hätten im späteren Verlauf Symptome entwickelt.

Positiver Test sagt nichts zur Infektiösität

Umstritten ist auch, inwieweit Menschen ohne Symptome SARS-CoV-2 übertragen. Denn die üblichen Tests können nicht unterscheiden, ob lebende infektiöse Viren oder lediglich abgestorbenes Virusmaterial vorhanden ist. Der einzige Test auf lebende Viren wäre die Anlegung einer Viruskultur im Labor, was jedoch bei der Menge an erforderlichen Tests aus Zeitgründen nicht umsetzbar ist.

„Nach dem derzeitigen Stand der Dinge kann eine Person, die mit irgendeinem Test positiv getestet wurde, demnach eine aktive Infektion mit lebenden Viren haben oder nicht, und sie kann infektiös sein oder nicht“, schreibt das „BMJ“. Insgesamt seien die Zusammenhänge zwischen Viruslast, viraler Ausscheidung, Infektion, Infektiosität und Dauer der Infektiosität nicht gut verstanden.

Übertragung bei Symptomen eher wahrscheinlich

Aus Studien mit Viruskulturen sei bekannt, dass Menschen mit SARS-CoV-2 ein bis zwei Tage vor dem Auftreten von Symptomen infektiös werden können und auch danach noch bis zu sieben Tage infektiös sind, berichtet das „BMJ“. Insgesamt spreche einiges dafür, dass „die symptomatische und präsymptomatische Übertragung eine größere Rolle bei der Ausbreitung von SARS-CoV-2 spielen als die wirklich asymptomatische Übertragung.“

So seien auch die Übertragungsrate bei Personen, die asymptomatisch sind, wesentlich niedriger als bei Personen mit Symptomen. Nicht zuletzt, weil insbesondere beim Husten viele Viruspartikel ausgeschieden werden, die auf Mitmenschen übertragen werden können. Bei asymptomatischen Infizierten, fällt dies gänzlich weg. Allerdings ist zu bedenken, dass asymptomatische und präsymptomatische Menschen mitunter auch mehr Kontakte mit anderen Personen haben als symptomatische Menschen (die sich isolieren), was eine Rolle bei der Übertragung spielen könnte.

Weitere Forschung dringend erforderlich

Auf Basis der bisherigen Datenlage gleiche „die Suche nach Menschen, die asymptomatisch, aber infektiös sind, der Suche nach Nadeln, die flüchtig im Heuhaufen auftauchen und wieder verschwinden“, so das „BMJ“. Tests auf lebende Viren müssten wieder in die klinische Versorgung integriert werden und es bedürfe sorgfältig konzipierter prospektiver Studien von Fällen und Kontaktpersonen, um die Übertragungsraten durch Menschen mit und ohne Symptome abzuschätzen. (fp)

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