Diese drei Schritte erwarten die Apotheker von der Politik

Am heutigen Sonntag ruft die ABDA bereits zum 23. Mal den Tag der Apotheke aus. In diesem Jahr rücken die Apotheker ihre Leistungen während der Coronavirus-Pandemie in den Fokus und appellieren an die Politik, die flächendeckende Versorgung für die Zukunft zu stärken – denn in der Krise zeigt sich, auf wen die Menschen vor Ort wirklich bauen können.

Eine Umfrage des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) liefert ein eindeutiges Bild: Die Präsenzapotheken in Deutschland genießen ein hohes Vertrauen in der Bevölkerung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Plus von 6 Prozentpunkten – das ist mehr als jede andere Berufsgruppe im Gesundheitswesen verzeichnet.

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Umfrage

Hohes Vertrauen in Apotheker

An diesem Vertrauensgewinn dürfte auch die Coronakrise ihren Anteil haben. „Die dezentrale, wohnortnahe Arzneimittelversorgung in Deutschland hat sich in der Corona-Pandemie als besonders krisenfest erwiesen“, betont die ABDA in einer Mitteilung. Die Offizinen in Deutschland konnten demnach ihre Patienten an jedem Tag zuverlässig versorgen. Und nicht nur das: Als es an Desinfektionsmitteln mangelte, sprangen die Pharmazeuten in die Bresche. Zum Schutz der Menschen vor COVID-19 bauten sie ihre Botendienste deutlich aus, sie berieten, beruhigten und waren als Ansprechpartner in Gesundheitsfragen zur Stelle.

Hilfe für die Apotheken

Jetzt fordern die Apotheker die Unterstützung der Politik ein, um auch künftig ihren Gemeinwohlauftrag erfüllen zu können. „Drei Schritte erwarten die Apotheker von der Politik“, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt anlässlich des Tags der Apotheke. „Die Festpreisbindung für rezeptpflichtige Medikamente muss dringend wiederhergestellt werden, das E-Rezept muss ohne Einfluss von Dritten in die Apotheke gelangen, und während der Pandemie eingeführte, sinnvolle Versorgungsverbesserungen wie der Zuschuss zum Botendienst sollten verstetigt werden.“

Erst vor wenigen Tagen präsentierte die ABDA ihr Statistisches Jahrbuch 2020. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache, meint Claudia Korf, Geschäftsführerin Ökonomie der ABDA. „Die Apotheken haben es während der letzten Jahre nicht leicht gehabt“, sagte sie. „Wir haben immer weniger Betriebe, die aber immer mehr Personal brauchen, um die Patienten gut versorgen zu können. Und gutes Personal kostet Geld. Dabei hinkt die Honorierung der Apotheken seit Jahren hinter Richtgrößen wie Krankenkasseneinnahmen, Bruttoinlandsprodukt oder Verbraucherpreisindex hinterher. Die Umsatzrendite ist seit 2013 rückläufig und liegt im Durchschnitt nur noch bei 5,7 Prozent. Die Krankenkassen haben zwar wachsende Arzneimittelausgaben, aber der Anteil der Apothekenvergütung an den Leistungsausgaben ist rückläufig und beträgt nur noch 2,1 Prozent.“

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Auch in Bayern sorgt man sich um die Zukunft der wohnortnahen Versorgung. Ein Schritt in die richtige Richtung sei die Eilverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit gewesen, die den Apothekern weitreichende Befugnisse beim Austausch von Medikamenten einräumt und eine Vergütung des Botendiensts durch die Krankenkassen zur Pflicht machte. „Die Politik muss jetzt die richtigen Lehren aus der Pandemie ziehen und sinnvolle Maßnahmen auch unbefristet einführen“, sagte der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbands, Hans-Peter Hubmann. „Dazu gehört unter anderem der jetzt eingeführte Zuschuss zum Botendienst.“

Nur Rx-Versandverbot bleibt als Alternative

Der Präsident der Landesapothekerkammer Bayern, Thomas Benkert, ergänzt: „Vor allem muss dringend die Festpreisbindung für rezeptpflichtige Medikamente wiederhergestellt werden, damit der Fortbestand der bewährten wohnortnahen Versorgung sichergestellt bleibt.“ Sei dies nicht zeitnah mit der EU machbar, bleibe nur das im Koalitionsvertrag verankerte Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln als Alternative. 

Auch Dr. Günther Hanke, Präsident der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg, unterstreicht in einer Mitteilung der Kammer den Stellenwert der Präsenzapotheken in Deutschland: „In der aktuellen Situation zeigt sich einmal mehr, dass die örtlichen und Krankenhausapotheken wichtige Ansprechpartner für die Bevölkerung sind.“ Die Apotheken tragen Hanke zufolge aktuell nicht nur zur Arzneimittelversorgung der Bevölkerung bei, sondern entlasten Ärzte und Krankenhäuser und damit das Gesundheitssystem. „Mit ihrer Beratungskompetenz sind Apotheken auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen für die Patienten da. Örtliche und Krankenhausapotheken sind unverzichtbar und müssen zum Wohle der Patienten unbedingt erhalten bleiben und gestärkt werden.“

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