Eine Pflegerin über ihre Covid-Impfung: "Ich war total überrascht, wie viele sich impfen ließen"

Als eine der ersten Personen in Hamburg wurden Sie gestern gegen das Coronavirus geimpft. Wie geht es Ihnen heute?

Super. Ich wurde relativ früh geimpft und war dann den Rest des Tages durchaus abgeschlagen und müde. Mein Arm tat auch weh und ließ sich kaum anheben. Aber nach einer Nacht spüre ich davon überhaupt nichts mehr. Gott sei Dank.

Man hört heraus, dass Sie darüber erleichtert sind.

Vorher hatte ich schon ein bisschen Angst. Es ist ein medizinisches Produkt, die Entwicklungs- und Testzeit war kurz. Aber ich war grundsätzlich zuversichtlich, dass das alles schon seine Richtigkeit haben wird. Ich traue da jetzt mal der Wissenschaft (lacht). 

Hatten Sie sich vorher mit dem Impfstoff beschäftigt?

Ich habe die Entwicklung in den Nachrichten verfolgt, aber nicht so tief in den Details. Erst gestern Abend habe ich dann doch mal in einem Artikel genauer gelesen, wie das funktioniert.

Wie wurde denn die Nachricht, dass bei Ihnen geimpft wird, im Team und bei den Bewohnern angenommen?

Impfstoff von Biontech


Mit der Impfung können wir Covid-19 besiegen – warum es jetzt an uns allen liegt

Letzte Woche wurden die Unterlagen zur Zustimmung zur Impfung zuerst bei den Bewohnen und dann am nächsten Tag für die Pfleger ausgegeben – und ich war total überrascht, wie hoch die Impfbereitschaft war. Sehr viele der Bewohner haben zugestimmt, bei denen die es nicht selbst können, haben auch die Angehörigen in der Mehrheit zugestimmt. Und auch im Team war das toll. Da hatte zuerst die Frühschicht alles ausgefüllt und das hat sich dann wie eine Welle fortgesetzt. Wir waren uns da weitgehend einig: Das ist wichtig und das machen wir jetzt.

Aber es gab doch bestimmt auch Gegenstimmen.

Ja, ein paar wollten das nicht. Die haben Angst vor Spätfolgen, wollen es vielleicht später irgendwann machen. Aber ich war total überrascht, dass auch ganz viele, von denen ich das nie erwarten hätte, es dann doch gemacht haben. 

Wie war denn der Umgang mit den Abweichlern?

Ganz normal. Das muss ja letztlich auch jeder selbst wissen. Die haben sich dann von sich aus auch dafür gerechtfertigt, aber einen Druck oder gar Zwang hat da keiner ausgeübt. Man versteht die Bedenken ja auch.

Können Sie nachvollziehen, dass etwa in einem Heim in Essen weniger als die Hälfte der Pflegekräfte der Impfung zugestimmt haben?

Nein. Wie gesagt, man muss es natürlich selbst wissen. Aber wir haben ja auch eine unheimliche Verantwortung gegenüber unseren Bewohnern. Da will man die doch auch schützen. Und der beste Weg dazu ist eben die Impfung. Ich bin froh, dass wir bei uns da weitgehend einig waren.

Wie war denn die Situation vorher?

Wir sind relativ gut durchgekommen. Wir haben acht Häuser, in der Hälfte gab es meines Wissens gar keine Fälle in den anderen immer mal. Aber krasse Ausbrüche wie in manchen Heimen hatten wir nicht. Das lag sicher auch daran, dass hier sehr schnell ein Corona-Team gegründet und entsprechende Maßnahmen umgesetzt wurden.

Gab es eine große Angst vor dem Virus?

Echte Angst eher nicht. Die Bewohner haben ja viel erlebt, da gibt es oft so eine Haltung, dass man das nun eben auch noch schafft. In dem Alter hat man ja meist auch weniger Angst vor dem Tod. Die krassesten Folgen waren bei uns eher die Einsamkeit und das Abgeschnittensein als die Krankheit selbst.

Wissen Sie denn schon konkret, ob sich daran im Alltag nun etwas ändern kann?

Nein, dazu kann ich noch nichts sagen. Aber klar, die Frage stellt sich ja, etwa ob wir nun weiter FFP2-Masken tragen müssen. Oder auch in Bezug auf die vielen Aktivitäten, die wir den Bewohnern vorher geboten haben, die nun lange weggefallen sind. Bis auf die Demenzkranken essen alle alleine aktuell. Vielleicht können wir das ja ändern.

Und Sie persönlich? Fühlt es sich merkwürdig an, dass man plötzlich weniger Angst vor einer Ansteckung haben muss?

Ich selbst hatte tatsächlich vor allem Angst, dass ich andere Menschen anstecken könnte. Meine Bewohner, meine Eltern, die auch schon älter sind. Das ist schon erleichternd, dass das nun zumindest deutlich unwahrscheinlicher ist. 

Was würden Sie den Menschen sagen, die noch nicht geimpft wurden?

Ich würde an alle appellieren: Lasst euch impfen, wenn ihr es könnt. Wir haben eine Verantwortung, unsere Schwächsten zu schützen. Das sollten wir auch tun.

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