Grüne: Apotheken sollen Frauen in Not helfen

Dass Apotheken in Deutschland nach französischem Vorbild als erste Anlaufstelle für Frauen dienen sollen, die während der Coronavirus-Pandemie häusliche Gewalt erfahren, ist schon seit einigen Wochen in der Diskussion. In Bayern legt die Grünen-Landtagsfraktion jetzt einen entsprechenden Antrag vor.

Maske 19 – mit diesem Codewort können Frauen in Frankreich den Apothekenmitarbeitern signalisieren, dass ihnen Gefahr durch häusliche Gewalt droht. Wegen der Coronavirus-Pandemie und den damit verbundenen Ausgangsbeschränkungen fürchten viele eine Zunahme von Angriffen in den eigenen vier Wänden. Und gerade in diesen Zeiten ist es für die Betroffenen besonders schwierig, sich Schutz zu suchen. Um ihnen einen Ausweg zu bieten und niederschwelligen Zugang zu Hilfsangeboten zu schaffen, greifen die Franzosen auf die Offizinen im Land zurück: Fällt dort das Codewort, müssen die Apothekenmitarbeiter die Polizei rufen.

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Codewort „Maske 19“: Apotheken helfen bei häuslicher Gewalt

Hierzulande hatte die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften in einer am Ostermontag veröffentlichten Stellungnahme einen ähnlichen Ansatz ins Spiel gebracht. Nach französischem Vorbild sollen nach den Vorstellungen der Experten auch in Deutschland Apotheken und Supermärkte als Anlaufstellen für Hilfesuchende dienen. Ein solches Projekt stellen aktuell der Apothekerverband Westfalen-Lippe und der Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen in NRW auf die Beine: Nach einem Bericht der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) werden in den kommenden Wochen in den Offizinen in Westfalen-Lippe Informationszettel mit den wichtigsten Hilfsangeboten bei häuslicher Gewalt ausliegen.

Frauen in Hotels unterbringen

In Bayern wollen die Grünen das Thema jetzt angehen: In einem kürzlich vorgelegten Antrag fordert die Fraktion um Oppositionsführerin Katharina Schulze, Beratungsangebote für Opfer häuslicher Gewalt in den Offizinen einzurichten. „Dies ist insbesondere deshalb so wichtig, weil mit den bestehenden Ausgangsbeschränkungen in Bayern ein Rückzug in das familiäre Umfeld erfolgt – damit wird häusliche Gewalt unsichtbarer“, schreiben die Abgeordneten. Unterstützung etwa durch Bekannte, Kollegen, Lehrer und Erzieher brechen demnach unter den aktuellen Umständen weg. „Gleichzeitig wird die Hemmschwelle für Frauen und Kinder höher, in der gemeinsamen Wohnung beispielsweise per Telefon Hilfe zu suchen.“

Darüber hinaus schlagen die Grünen vor, leerstehende Hotelzimmer anzumieten, falls die Kapazitäten der Frauenhäuser erschöpft sein sollten. Zudem gelte es, einen Notfallplan für diese Einrichtungen zu entwerfen, der auch den Infektionsschutz sicherstellt. Die Kosten dafür soll nach dem Willen der Abgeordneten der Freistaat Bayern tragen. „In Krisenzeiten sollte nicht darüber gefeilscht werden, wer für die Sicherheit der betroffenen Frauen und Kinder finanziell aufkommt. Der Freistaat sollte hier seiner Rolle als Krisenmanager nachkommen und für die Zeit der Pandemie die zusätzlichen Kosten allein tragen“, heißt es in dem Antrag.

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Leopoldina: Apotheken könnten Opfern häuslicher Gewalt helfen

Das Plenum im Bayerischen Landtag wird frühestens kommende Woche Mittwoch über den Vorstoß beraten. Viel Aussicht auf Erfolg hat er aber nicht: Die Grünen stellen mit 38 von 205 Sitzen die stärkste Oppositionsfraktion. Bei der Landtagswahl im Jahr 2018 sicherten sie sich 17,6 Prozent der Wählerstimmen. Regiert wird der Freistaat derzeit aus einer Koalition aus CSU und Freien Wählern.

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