Handelsblatt verbreitet Fake News über Apotheken

Der ehemalige Wirtschaftsweise Professor Bert Rürup beklagt im „Handelsblatt“ strukturelle Defizite im deutschen Gesundheitswesen und blendet dabei die Erfahrungen mit der Pandemie aus. Den Rohertrag der Apotheken bezeichnet er als „Gewinnmarge“ und kommt damit zu irreführenden Zahlen. Dies wirkt wie Stimmungsmache für künftige Sparmaßnahmen nach längst überwundenen Konzepten – auch zulasten der Apotheken, fürchtet DAZ-Redakteur Dr. Thomas Müller-Bohn in einem Kommentar.

In der Pandemie dürfte auch der letzte Politiker die Bedeutung eines leistungsfähigen und dezentral aufgestellten Gesundheitssystems zu schätzen gelernt haben. Die Pandemie ist noch nicht vorbei, aber das „Handelsblatt“ schlägt schon wieder Töne an, die an uralte Zeiten erinnern, in denen an allen Ecken des Gesundheitswesens gespart werden sollte. Am Freitag erschien dort ein Kommentar von Professor Bert Rürup. Der ehemalige Wirtschaftsweise ist mittlerweile Chefökonom des „Handelsblatts“.

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Unter dem Titel „Gesundheit ist den Deutschen lieb – und sehr teuer“ beklagt Rürup strukturelle Defizite des Gesundheitssystems, die in der Zeit sprudelnder Beitragseinnahmen gewachsen seien. Nach dem Schwinden der Reserven würden nun höhere Beiträge für die GKV drohen. Im Kern geht es darum, dass das deutsche System zu teuer sei. Deutschland gebe 12,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Gesundheit aus, andere Länder viel weniger. Doch bei der Lebenserwartung erreiche Deutschland nur Rang 24 von 38 OECD-Staaten. Ein wesentlicher Grund für diese Ineffizienz liege in der Krankenhauslandschaft. Als Konsequenzen empfiehlt Rürup „kluge Eigenbeteiligungsmodelle“ und eine konsequente Digitalisierung, aber auch „eine grundlegende Reform der Krankenhausfinanzierung, eine Optimierung der Standorte und eine Weiterentwicklung der Arzneimittelversorgung“. Vieles klingt so, als sollten die Kosten im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.

Nichts gelernt?

Allerdings wird in dem Beitrag nicht hinterfragt, wie verschiedene Länder die Corona-Pandemie bewältigt haben. Der Text mutet an wie die Effizienzbetrachtungen, die vor vielen Jahren als Argumente für verschiedene Gesundheitsreformen dienten. Das waren die Gedanken, die beispielsweise Spanien, Italien und Griechenland in der Finanzkrise zur Sanierung ihrer Staatsfinanzen aufgegriffen haben und die in der Pandemie so schreckliche Folgen hatten. Alles klingt so, als hätten wir nichts daraus gelernt. Doch ein Gesundheitssystem sollte sich nicht wie eine industrielle Fließbandfertigung nur am Idealfall orientieren, in dem alles klappt, sondern auch an Ausnahmesituationen.

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