Herz-Chirurg über begrenzte Intensivbetten: „Müssen schon jetzt Einzelfall-Diskussionen führen“

In Deutschland werden wegen der Corona-Krise die Intensivbetten vielerorts knapp. Leidtragende sind auch Menschen mit anderen schweren Erkrankungen, die ebenfalls intensivmedizinisch versorgt werden müssen. Operationen werden verschoben, Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren.

Angesichts der zunehmenden Belastung der Kliniken wegen Covid-19-Patienten warnen Experten davor, andere Patienten zu vernachlässigen. Auch bei Krebs- oder Herzkranken könne man Operationen nicht willkürlich verschieben.

„Immer mehr onkologische Eingriffe werden verschoben, diagnostische Untersuchungen und Nachsorge teilweise stark zurückgefahren“, kritisierte etwa die Corona Task Force von Deutscher Krebshilfe (DKH), Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Deutscher Krebsgesellschaft (DKG) vergangene Woche.

„Angespanntes Versorgungssystem“ für Krebspatienten in Deutschland

Bereits zu Beginn der Corona-Pandemie hatten die Fachgesellschaften eine Task Force eingerichtet, um die Versorgungssituation von Krebspatienten zu beobachten. Der Zusammenschluss hatte schon im Frühjahr ein „angespanntes Versorgungssystem“ festgestellt.

„Wir haben durch die Coronakrise eine deutliche Benachteiligung der anderen Patienten, ohne Zweifel“, berichtet auch Herzchirurg Dr. Umes Arunagirinathan vom Bremer Klinikum Links der Weser im Interview mit „Bild.de“. Schon jetzt müssten die Mediziner jeden Tag um Intensivbetten für ihre Patienten kämpfen. Die Betten seien nicht nur von Corona-Patienten belegt, auch Unfallopfer oder Menschen mit einem Herzinfarkt müssten entsprechend betreut werden. Aber Corona verschärft die Situation: „Wir müssen schon jetzt Einzelfall-Diskussionen führen, so was gab es vor Corona nicht.“

„Wir haben durch Coronakrise eine deutliche Benachteiligung der anderen Patienten“

Mediziner aus den verschiedenen Fachbereichen würden jeden Tag zusammensitzen, die Patienten durchgehen und nach Dringlichkeit bewerten. „Wir bringen Argumente, wer warum eine dringliche Indikation hat und warum wir das Bett für ihn brauchen“, beschreibt Arunagirinathan die schwierige Situation für die Ärzte.

Sorge vor Triage – aber Hoffnung dank Impfstoff

Steigt die Zahl der Corona-Infizierten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, weiter, verschärft sich auch die Situation in den Kliniken. Steht Ärzten in Deutschland dann eine Triage bevor? „Wenn ich die Zahlen anschaue, insbesondere die Intensivbetten, dann habe ich große Angst davor“, erklärt der Herz-Chirurg. Entscheiden zu müssen, wer eine lebensnotwendige Behandlung bekommt und wer nicht – „ist ein absolutes Horrorszenario für alle Ärzte“.

Hoffnung macht ihm allerdings der bevorstehende Impfstoff. Zur Erinnerung bereits am 27. Dezember sollen die ersten Menschen in Deutschland geimpft werden. „Damit können wir unsere vulnerablen Gruppen schützen, insbesondere die Älteren. Das sind ja auch meist die, die im Verlauf der Erkrankung intensivpflichtig werden“, erklärt der Mediziner. Er denkt, dass sich die Situation dann „bald entspannt“.

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