Isolierzimmer, Rachenspülung, vier Stunden warten: zwei Mediziner erklären den Quarantäne-Ablauf

In China breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus: Die Zahl der gemeldeten Patienten stieg auf rund 9700, 213 Menschen starben. Die Entwicklungen veranlassten die Weltgesundheitsorganisation WHO am Donnerstagabend dazu, eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ auszurufen – sie sieht unter anderem eine Koordination von Krisenmaßnahmen zwischen den 190 Mitgliedsländern vor. 

Außerhalb Chinas ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen noch überschaubar: 120 Menschen in rund 20 Ländern sind erkrankt. In Deutschland gibt es bislang fünf bestätigte Infektionen – das bayerische Gesundheitsministerium bestätigte am Donnerstagabend einen weiteren Fall. Bei dem Patienten handelt es sich ebenfalls um einen Mitarbeiter der Firma Webasto aus dem Landkreis Starnberg, wo auch alle weiteren Erkrankten beschäftigt sind. Ausgangspunkt der Infektionen war eine Kollegin aus China, die sich für eine Fortbildung in Deutschland aufgehalten hatte.

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Enge Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne

Kurz nach Bekanntwerden des ersten Falles hatte Lars Schaade, Leiter des Zentrums Biologische Gefahren am Robert Koch-Institut erklärt, dass es nun wichtig sei, „einen Tochterausbruch in Deutschland möglichst zu verhindern.“ Für enge Kontaktpersonen eines Erkrankten würde das Gesundheitsamt „eine häusliche Quarantäne veranlassen, die bis zum Ablauf des 14. Tages nach dem letzten Kontakt mit dem Patienten dauern wird.“ In dieser Zeit sollen die Kontaktpersonen mit Hilfe eines Tagebuchs ihre Gesundheit dokumentieren, das Gesundheitsamt erfasse die Daten täglich. „Ist irgendetwas auffällig, wird die Person ebenfalls getestet und isoliert.“

 

Nicht nur in München, auch in anderen Kliniken werden derzeit Verdachtsfälle auf das Coronavirus getestet. Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) waren es bislang „wenige Personen“, berichtet Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Infektologie auf Anfrage des stern. Für alle konnte Entwarnung gegeben werden. „Das spielt sich bisher noch in sehr kleinem Rahmen ab. Wir haben zwar sehr viele Anfragen von Menschen, die zum Beispiel in Asien waren, aber die kann man meistens durch die Reiseanamnese schon ausschließen“, so Addo.

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Soll ein Verdachtsfall getestet werden, wird vorab die Zentrale Notaufnahme informiert. „Der Patient wird dann in ein Isolierzimmer gebracht, das von außen begehbar ist, und muss die Notaufnahme so gar nicht betreten“, erklärt die Medizinerin. „Im Isolierzimmer können wir die Krankengeschichte des Menschen erheben, ihn untersuchen und die Diagnostik einleiten. Um den Virus nachzuweisen brauchen wir am besten tiefes Atemwegsmaterial, sprich Sputum, das hochgehustet wird. Alternativ funktioniert auch ein Mund- und Rachenabstrich oder eine Rachenspülung. Den eigentlichen Test machen wir direkt am UKE. Bis die Ergebnisse vorliegen, vergehen etwa vier Stunden. Solange verbringt der Patient in der Isolation.“

Coronavirus-Erkrankte auf normaler Infektionsstation

Sollte sich der Verdacht bestätigen, kommt der Patient in ein Isolierzimmer mit Vorschleuse auf der Infektionsstation. „Die betreuenden Ärzte und Pfleger würden sich dann mit den vom RKI empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Schutzbrille, Mundschutz, Handschuhe und Kittel um den Patienten kümmern“, erklärt Addo.

Eine Sonderisolierstation – wie sie etwa für Ebola-Patienten angeordnet wird – ist im Falle des Coronavirus nicht nötig. Das betonen auch die Mediziner, die sich derzeit um die Erkrankten in München kümmern. Zwar liegen die Patienten in Isolierzimmern, in denen ein Unterdruck herrscht – das Entweichen des Virus soll so verhindert werden. Doch das sei nicht zwingend nötig, erklären die Münchner Experten. Die Erkrankten werden solange in der Klinik bleiben, bis das Virus in Körperflüssigkeiten nicht mehr nachweisbar ist. Im Anschluss werden sie entlassen.

Auch Hausärzte sind auf das neuartige Virus sensibilisiert: Kommt ein Verdachtsfall in eine Praxis, muss er dort in einem separaten Raum isoliert werden. Als Verdachtsfall gilt ein Mensch etwa dann, wenn er Atemwegsprobleme hat und zuvor Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Der Patient bekommt eine Atemschutzmaske und wird zuerst auf Influenza getestet – dies sei immerhin wahrscheinlicher als eine Coronavirus-Infektion, erklärte ein Sprecher des Bayerischen Gesundheitsministeriums auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA. Der Arzt würde bei der Probennahme einen Mundschutz, eine Schutzbrille, Kittel und Handschuhe tragen. Der Abstrich oder eine Probe des Auswurfs werden im Anschluss in ein Labor geschickt – überbracht von einem normalen Kurier, wenn auch unter Beachtung besonderer Verpackungsvorgaben.

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