Ist das E-Rezept der „letzte Schuss“ für die EU-Versender?

Dank des E-Rezepts wollen die EU-Versender endlich mal schwarze Zahlen schreiben. Das müssen sie auch, meint Noweda-Chef Michael P. Kuck – es könnte für sie der „letzte Schuss“ sein. Um gegenzuhalten und dafür zu sorgen, dass die elektronischen Verordnungen statt in die Niederlande in die stationären Apotheken in Deutschland fließen, könnten Plattformen ein wichtiges Instrument werden. Doch Kuck warnt: Bei der Partnerwahl sollten Apotheker:innen wachsam sein.

Wer hat Angst vorm E-Rezept? Die Apotheker:innen in Westfalen-Lippe brauchen sich jedenfalls nicht zu sorgen, meint AKWL-Vizepräsident Frank Dieckerhoff. Inzwischen seien alle Betriebe im Kammerbezirk mit den Komponenten ausgestattet, die im kommenden Jahr für den Zugang zur Telematikinfrastruktur (TI) benötigt werden. „Das Problem ist nicht das E-Rezept“, sagte er am heutigen Samstag bei einer Podiumsdiskussion beim Westfälisch-Lippischen Apothekertag (WLAT) in Münster. „Es ist der Ordnungsrahmen drumherum.“

Diesbezüglich sieht Dieckerhoff noch Lücken: Der Gesetzgeber müsse jetzt aktiv werden und alles dafür tun, dass die freie Apothekenwahl auch im Zuge der Einführung elektronischer Verordnungen stets gewahrt bleibe. Denn auf dem digitalen Weg werde es für die Patientinnen und Patienten natürlich einfacher als zuvor, Rezepte an ausländische Arzneimittelversender weiterzuleiten.

„Wir müssen das Thema ernst nehmen“

Der Vorstandsvorsitzende der Apothekergenossenschaft Noweda, Michael P. Kuck, erinnerte daran, dass Zur-Rose-Chef Walter Oberhänsli als Ziel nach Einführung des E-Rezepts einen Marktanteil von 10 Prozent am deutschen Rx-Markt ausgelobt hat. Laut einem Gutachten der Noweda und des Deutschen Apotheker Verlags würde das rund 2.000 Apotheken in ihrer Existenz bedrohen. „Wir müssen das Thema ernst nehmen“, sagte Kuck.

Allerdings wies er auch darauf hin, dass die Versender in der Vergangenheit viel Geld in die Hand genommen hätten, mit dem sie zwar ein großes Wachstum erzielen konnten, aber keine Gewinne. DocMorris und Co. sind nach Einschätzung des Noweda-Chefs darauf angewiesen, mit dem E-Rezept nun endlich mal schwarze Zahlen zu schreiben. „Das E-Rezept ist der letzte Schuss für die Versender“, unterstrich er.

Ein Weg, die E-Rezepte in die Apotheken zu holen, könnten Kuck zufolge Plattformen sein. „Dass sie funktionieren, wissen wir aus anderen Branchen.“ Bei der Auswahl des Partners sollten Apothekeninhaber:innen jedoch wachsam sein: Aus seiner Sicht muss die Hoheit über die Plattform unbedingt in Apothekerhand bleiben. „Schauen Sie genau hin, wer Einfluss hat und ob dieser Einfluss beständig ist.“ Anders als andere Anbieter garantiert die Noweda diesbezüglich Stabilität – denn als Apothekergenossenschaft sei sie praktisch unverkäuflich. Das spricht für eine Anbindung an die Plattform „ihreapotheken.de“, an dem die Noweda über den Zukunftspakt Apotheke beteiligt ist.

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