Kammer und Verband schreiben wegen AvP-Pleite an Landesregierung

In einem gemeinsamen Brief wenden sich der Apothekerverband und die Apothekerkammer Baden-Württemberg an den Ministerpräsidenten des Bundeslands, Winfried Kretschmann (Grüne). Sie schildern die Not der von der AvP-Insolvenz betroffenen Apotheken und bitten um finanzielle Hilfen.

Durch die Insolvenz des Apothekenrechenzentrums AvP sind rund 3.500 Apotheken in Deutschland unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten. Viele Inhaber bangen um ihre Existenz. Der Fall hat eine solche Tragweite, dass selbst die Laienmedien intensiv darüber berichten. Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet: Wie kann es gelingen, hunderte Präsenzapotheken auf einen Schlag vor der Pleite zu bewahren?

Einzelne Player im Gesundheitswesen haben inzwischen auf die akute Bedrohung für die Apotheken reagiert und bieten Hilfe an – so etwa die Abrechner Noventi und NARZ sowie die Apobank. Jüngst informierte auch die AOK Rheinland/Hamburg, mögliche Retaxationen für die Monate August bis Oktober zunächst nicht geltend machen zu wollen, sondern sie bis Januar 2021 zurückzustellen.

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Ob diese Unterstützungsangebote ausreichen werden, um unter Druck geratene Apotheken zu retten, ist mehr als fraglich. In Baden-Württemberg wenden sich Apothekerkammer und –verband daher jetzt in einem Brief an den Ministerpräsidenten des Landes, Winfried Kretschmann (Grüne). „Die Firmenpleite hat bei den betroffenen Apotheken große Sorge ausgelöst“, schreiben sie. Derzeit sei unklar, inwiefern AvP die ausstehenden Forderungen der Apotheker begleichen könne. „Fest steht jedoch, dass ein kompletter Forderungsausfall eine Vielzahl von Apotheken – auch in Baden-Württemberg – völlig unverschuldet in eine existenzielle Bedrohungslage bringen wird, die in manchen Fällen mit wochenlangen coronabedingten Umsatzrückgängen kumuliert.“

Wie viele Betriebe in welchem Umfang von der AvP-lnsolvenz betroffen sein werden, lässt sich Kammer und Verband zufolge derzeit noch nicht absehen. „Die Schließung einer nennenswerten Zahl von Apotheken kann – nach Jahren des Rückgangs der Anzahl von Präsenzapotheken – jedoch zu einer punktuellen Gefährdung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung der Bevölkerung auch in Baden-Württemberg führen“, warnen sie.

Unbürokratische Hilfe nötig

In dieser Situation benötigten die betroffenen Apotheken unbürokratische Hilfe. „Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank wird Apothekern, denen die AvP große Summen schuldet, nach eigener Auskunft mit Kreditlinien und Überbrückungskrediten helfen. Doch Kredit hin oder her, bei einem Zahlungsausfall ist das Geld für die Apotheken verloren.“ Diese Situation könne für viele Apotheken das Aus bedeuten. „Die wirtschaftliche Lage ist durch die schwierigen Rahmenbedingungen, mit denen sich die Betriebe seit Jahren auseinandersetzen müssen, ohnehin sehr angespannt. Wir bitten Sie deshalb zu prüfen, inwieweit es möglich ist, die unverschuldet in Not geratenen Apotheken aus Mitteln des Landes zu unterstützen.“

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