Kostenloses Tool sagt voraus, ob sich Zustand von Covid-19-Patienten verschlimmern wird

Covid-19 hat viele Gesichter: Während die einen nicht mal merken, dass sie erkrankt sind, müssen andere ins künstliche Koma versetzt und beatmet werden. Ist frühzeitig klar, wer welche Behandlung benötigt, können Kliniken etwa die Anzahl der Intensivbetten besser planen.

Junge Menschen stecken eine Erkrankung mit Covid-19 in der Regel besser weg als ältere. Trotzdem gibt es immer wieder Einzelfälle von jungen, gesunden Menschen, die plötzlich einen schweren Verlauf erleiden. Allein anhand des Alters und bestimmter Vorerkrankungen lässt sich daher nicht genau abschätzen, welcher Patient wie intensiv betreut werden muss.

Das stellt viele Kliniken vor eine logistische Herausforderung, vor allem, wenn Intensivbetten und Beatmungsgeräte knapp werden. Ein neues Online Tool kann in Zukunft dabei helfen, Betten und Personal besser vorauszuplanen. Es berechnet, ob sich der Zustand eines Covid-19-Patienten innerhalb der nächsten 72 Stunden so sehr verschlechtern wird, dass er beatmet werden muss.

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Forscher der Universität von Kalifornien haben das Tool entwickelt und kostenlos ins Netz gestellt. Krankenhauspersonal soll damit frühzeitig einschätzen können, wie gefährdet ein Patient ist.

Sie finden das Tool unter folgendem Link: covidrisk.hs.uci.edu

Tool soll bessere Planung auf Intensivstationen ermöglichen

Für den privaten Gebrauch ist das Tool nicht gedacht, sondern zur Unterstützung der Krankenhäuser. Neben Alter, Geschlecht, BMI und Atemfrequenz, die jeder Patient selbst eintragen könnte, fragt das Tool auch nach verschiedenen Blutwerten, etwa dem WBC und den Lymphozyten. Dafür ist eine Blutuntersuchung nötig. Außerdem bezieht der Rechner bestimmte Vorerkrankungen wie Asthma, Bluthochdruck oder COPD mit ein.

Die Forscher hatten bereits im März einen Prototypen ihres Rechners erstellt und dafür Daten von Patienten verwendet, die ab Januar 2020 im Krankenhaus UCI Health behandelt worden waren. Anschließend optimierten sie den Algorithmus so lange, bis sie laut eigenen Aussagen bei rund 95 Prozent der getesteten Fälle einen korrekten Verlauf vorhersagen konnten.

 

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  • Ob ein Patient auf der Intensivstation behandelt und dort beatmet werden muss, kann das Tool trotzdem nicht allein entscheiden, betonen die Forscher. Es soll lediglich dabei unterstützen.

    "Während der Rechner den allgemeinen Schweregrad bei einem Covid-19-Patienten vorhersagen kann, müssen Mitarbeiter an Kliniken die Entscheidung über ihr weiteres Vorgehen anhand der dortigen Praktiken und der Anzahl an Betten treffen, anhand der Zahl an Patienten, der Wahrscheinlichkeit, dass sich die Krankheit am jeweiligen Ort ausbreiten wird und so weiter", schreiben die Autoren der Studie.

    Intensivbetten: Die aktuelle Lage in Deutschland

    Das Divi-Intensivregister meldete am 31. Dezember 5639 Covid-19-Patienten in Intensivbetten. Davon sind 3112 an Beatmungsgeräte angeschlossen, das sind 55 Prozent. Insgesamt sind 21.830 Intensivbetten belegt, nur 4746 sind bundesweit noch frei. Setzt sich der aktuelle Trend fort, sind in weniger als drei Wochen auch alle übrigen Betten belegt. Divi/FOL/Datawrapper In der Woche vor dem 17. Dezember hat sich die Anzahl freier Intensivbetten um 1051 verringert. Setzt sich dieser Trend fort, sind schon Anfang Januar alle Betten belegt.

    10.922 Betten stehen aktuell als Notfallreserve bereit. Sie können innerhalb von sieben Tagen zusätzlich aufgestellt werden.

     

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