Luftverschmutzung – größter Umweltfaktor für vorzeitigen Tod – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Jeder achte Todesfall auf Umweltverschmutzung zurückzuführen

Im Jahr 2012 sind 630.000 Todesfälle in der Europäischen Union auf Belastungen durch Umweltverschmutzung zurückzuführen. Jeder achte Todesfall steht somit in Verbindung mit verschmutzter Umwelt. Größter Risikofaktor für einen vorzeitigen Tod ist in diesem Zusammenhang das ständige Einatmen verschmutzter Luft. Dies geht aus einem umfassenden Bericht der Europäischen Umweltagentur hervor.

Forschende der Europäischen Umweltagentur (EUA) veröffentlichten kürzlich eine Untersuchung, die zeigt, dass die allgemeine Umweltverschmutzung an 13 Prozent aller Todesfälle in der EU beteiligt ist. Hauptfaktoren, die zu einem vorzeitigen Tod führen, seien in diesem Zusammenhang vor allem die Luftverschmutzung. Aber auch hohe Lärmbelastung und extreme Wetterereignisse seien oftmals für vorzeitige Todesfälle mitverantwortlich, heißt es in dem aktuellen Report, der auf der Webseite der EUA einsehbar ist.

Wie führt Umweltverschmutzung zu Todesfällen?

Umweltverschmutzung steht in Verbindung mit der Entstehung von Herzkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Krebs – die häufigsten Todesursachen unserer Zeit. Die aktuelle Studie untersuchte die einzelnen Umweltfaktoren und welche Einflüsse diese auf die Gesundheit der Allgemeinbevölkerung haben.

Luftverschmutzung verursacht die größten Gesundheitsschäden

Laut dem EUA-Bericht ist die Luftverschmutzung der wichtigste Umweltfaktor, der Krankheiten verursacht. Demzufolge sind jährlich etwa 400.000 vorzeitige Todesfälle in der EU auf die Luftverschmutzung zurückzuführen. Eine langfristige Belastung durch Luftverschmutzung stehe darüber hinaus in Verbindung mit einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionskrankheiten wie COVID-19. Dafür seien aber noch weitere Forschungsarbeiten notwendig, um diesen Faktor mitberücksichtigen zu können, so die EUA.

Lärm – ein unterschätztes Risiko

Das zweitwichtigste Risiko, dass von Umweltbelastungen ausgeht, ist der Untersuchung zufolge der Umgebungslärm. Jährlich 12.000 vorzeitige Todesfälle sollen auf erhöhte Lärmbelastung zurückzuführen sein. Dazu sei ständiger Lärm an der Entstehung von 48.000 neuen Fällen ischämischer Herzkrankheiten pro Jahr beteiligt.

Extreme Wetterbedingungen

Auch die infolge des Klimawandels auftretenden Wetterextreme können verfrühte Todesfälle bedingen – vor allem Hitzewellen, aber auch extreme Kälte und Überschwemmungen. Die EUA schätzt aufgrund derzeitiger Erwärmungsszenarien, dass die Zahl der jährlichen Todesfälle aufgrund von Hitzewellen auf 130.000 Opfer pro Jahr ansteigen wird. Langfristig könnten weitere Faktoren wie der steigende Meeresspiegel und Ausfälle in der Landwirtschaft die Situation verschärfen.

Chemikalien in der Umwelt

Ein breites Spektrum chronischer Krankheiten ist dem EUA-Report zufolge mit der Exposition gegenüber gefährlichen Chemikalien verbunden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, das 2,7 Prozent aller Todesfälle weltweit mit dem ständigen Kontakt gefährlicher Substanzen verbunden ist. Die Gesamtbelastung der Gesundheit in Europa durch Chemikalien sei jedoch aus Mangel an verlässlichen Daten derzeit nicht genau einschätzbar. Auch fehle das Wissen über Mischungen von Chemikalien, die schädliche Synergien erzeugen könnten.

Elektromagnetische Felder

Wie die EUA erläutert, gelten die Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Gesundheit noch als nicht ausreichend verstanden. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich die Exposition gegenüber solchen Feldern in Zukunft erhöhen werde. Bislang sei nachgewiesen, dass elektromagnetische Felder Nerven sowie Sinnesorgane stimulieren und Gewebe erwärmen können. Bislang gebe es aber nur wenig Belege über mögliche Langzeitauswirkungen in der Allgemeinbevölkerung.

Wasserverschmutzung

Verunreinigtes Trinkwasser ist laut EUA ebenfalls ein Faktor, der zu einem verfrühten Tod beitragen kann. Ebenso die indirekte Exposition von Schadstoffen, die über im Wasser lebende Organismen wie Fische aufgenommen werden. In Europa sei die Wasserqualität jedoch hoch. Dies treffe sowohl auf Badegewässer als auch auf Trinkwasser zu. Es gebe jedoch neu auftretende Schadstoffe wie Mikroplastik, die derzeit nicht ausreichend überwacht werden. Dies sei hinsichtlich der Wasserqualität besorgniserregend.

Antibiotikaresistenzen

Ein weiteres Umweltrisiko gehe von der Freisetzung von Antibiotika aus, vor allem über kommunale Kläranlagen. Dies beschleunige die Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen erheblich. Derzeit sterben in der EU rund 25.000 Personen pro Jahr an gut behandelbaren Erkrankungen, da Antibiotika keine Wirkung mehr zeigt.

Die Armen trifft es am härtesten

Die Umweltverschmutzung scheint sich auf Menschen mit geringen finanziellen Möglichkeiten besonders stark auszuwirken. In Armut lebende Personen wohnen häufiger in stark verschmutzen Gebieten und weisen öfter eine schlechte Gesundheit auf, so der Bericht. (vb)

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