Mann trägt ideale Corona-Antikörper in sich: Als er Blut spenden will, schickt Arzt ihn weg

Wer eine Corona-Infektion übersteht und genügend Antikörper hat, kann sein Blut für die Wissenschaft spenden und Erkrankten helfen. Auch Hagen S. erklärte sich bereit dafür – kurz vor der Blutentnahme schickten ihn die Ärzte jedoch wieder nachhause. Weil er homosexuell ist.

Hagen S., über dessen Fall die "Welt" berichtet, war Patient Nummer 59 in Berlin. Mittlerweile gibt es in der Hauptstadt mehr als 8.000 nachgewiesene Corona-Fälle. Diejenigen, die die Infektion überstanden haben, haben Antikörper. Ihr Blut könnte also anderen Erkrankten helfen, womöglich sogar Leben retten.

Auch der 55-Jahre alte Hagen S. wollte das tun und meldete sich bei der Berliner Charité. Tatsächlich stellte der Mann sich dort als idealer Spender heraus, wie die Zeitung berichtet. Beim finalen Schritt, der eigentlichen Blutspende, sei S. dann aber wieder nach Hause geschickt worden, nachdem er darauf hingewiesen hatte, dass er schwul ist.

"Der Arzt erklärte mir dann nüchtern, dass ich leider als Plasmaspender trotz meiner Corona-Geschichte nicht infrage komme, weil ich schwul bin. Da habe ich mich das erste Mal in meinem Leben diskriminiert gefühlt. Es war kein schönes Erlebnis", sagte er gegenüber der "Welt".

Hagen S. hatte dem Bericht zufolge im Frühjahr eine mittelschwere Infektion durchgemacht, litt unter Husten, Fieber, Muskelschmerzen und fehlendem Geschmackssinn. Kurz vor Ostern habe man ihn angerufen, er könne sich auf Antikörper testen lassen, das Ergebnis könnte von wissenschaftlichem Nutzen sein. „Danach kam ich auf die Idee, mich auch an Studien zu beteiligen. Ich dachte, wenn ich den Mist schon durchmachen musste, sollte es zumindest etwas Gutes haben. Ich wollte helfen.“

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Hochgradig neutralisierende Antikörper

Ärzte der Berliner Charité untersuchten sein Blut daraufhin genauer auf dessen Zusammensetzung. S. hatte eine große Menge sogenannter IGG-Antikörper entwickelt, galt damit als idealer Spender.

Daraufhin sei S. gebeten worden, Blutplasma zu spenden – wozu er sich bereit erklärte. Die Bluttests hätten zuvor ergeben, dass er weder an HIV, Hepatitis C oder einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit litt.

Das Problem: Nach geltendem Recht dürfen Schwule nicht ohne Weiteres Blut spenden. Als  S. selbst auf seine Homosexualität hinwies, platzte die Spende schließlich doch.

Dabei werden Plasmaspenden wie die von Hagen S. derzeit händeringend gesucht. So ruft die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit ihrer Kampagne „Einfach Leben retten – Spende Blut!“ etwa explizit dazu auf, nach einer Covid-19-Infektion Blutplasma zu spenden. Die im Plasma enthaltenen Antikörper könnten vor allem schwerkranken Covid-19-Patienten helfen. Die im Blutplasma vorhandenen Antikörper werden den Erkrankten dann entweder direkt transfundiert oder die Plasmaspende wird genutzt, um die Antikörper weiter anzureichern. Somit können Mediziner hochkonzentrierte Präparate herstellen.

Schwule dürfen nur spenden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex haben

Dennoch ist es vielen Schwulen nicht erlaubt, zu spenden. Die Regelung stammt noch aus den 80er-Jahren. Damals grassierte das HI-Virus unter Homosexuellen, 30 Jahre lang war es ihnen überhaupt nicht erlaubt, Blut zu spenden. Mittlerweile gilt HIV als gut beherrschbare Infektion, bei Spenden wird Blut ohnehin auf Krankheiten untersucht. Dennoch hatte der Gesetzgeber die Regelung nur dahin abgeändert, dass Schwule zwar Blut spenden dürfen – aber nur, wenn sie zuvor ein ganzes Jahr lang auf Sex mit Männern verzichtet hatten. Sex mit einer Frau stelle hingegen kein Problem dar.

Laut Ärztezeitung könne Gesundheitsminister Jens Spahn die Kritik am Blutspende-Verbot „gut nachvollziehen“. Er wolle deswegen gemeinsam mit den zuständigen Institutionen an einer Lösung arbeiten. Bei dieser müsse sichergestellt werden, dass das Infektionsrisiko bei Blutspenden weiter minimiert werde, dabei aber „gleichzeitig“ vielen die Blutspende ermöglicht werde. „Das Thema sehe ich, und wir sind im Gespräch“, so Spahn.

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