Nach Corona-Impfung von AstraZeneca: Könnte ein Krebsarzneimittel VITT verhindern?

Es ist noch nicht lange her, da drehte sich in den Medien alles um den COVID-19-Impfstoff von AstraZeneca – nicht nur, aber vor allem wegen der seltenen und gefürchteten Nebenwirkung einer Impfstoff-induzierten immunthrombotischen Thrombozytopenie (VITT). Es gibt schon erste Therapieansätze, welche die Entwicklung zu einer möglicherweise tödlichen zerebralen Venen- oder Sinusthrombose verhindern sollen. Doch es besteht noch Forschungsbedarf. Manche Wissenschaftler:innen erkennen nun Potenzial in einer Wirkstoffklasse, die bereits als Arzneimittel gegen Krebs auf dem Markt ist. Es geht um Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren wie Ibrutinib.

Im Oktober 2014 wurde mit Ibrutinib (Imbruvica®) der erste orale Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase (BTK) zugelassen.  Erst diese Woche gelangte Ibrutinib in die Medien: Der PRAC hatte die Überprüfung eines Sicherheitssignals zu Imbruvica® abgeschlossen und gab Entwarnung: „Krebspatient:innen, die zur Behandlung ihres Mantelzell-Lymphoms, ihrer chronisch lymphatischen Leukämie oder von Morbus Waldenström Ibrutinib erhalten und gleichzeitig ACE-Hemmer einnehmen, haben kein erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod“, hieß es. Allerdings will der PRAC die Kardiotoxiziät von Imbruvica® weiter untersuchen, unabhängig von ACE-Hemmern.

Nun erfahren die Bruton-Tyrosinkinase-Inhibitoren (BTK)  erneut mediale Aufmerksamkeit – in einem ganz anderen Bereich.

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Wie es in einer Mitteilung des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München heißt, können BTK-Inhibitoren, „die krankhafte Aktivierung von Blutplättchen mit einhergehender Bildung von Gerinnseln normalisieren, die in seltenen Fällen nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen COVID-19 auftritt“. Der COVID-19-Impfstoff Vaxzevria™ von AstraZeneca beherrschte noch im Frühjahr 2021 zahlreiche Schlagzeilen. Mittlerweile ist seine Relevanz in Deutschland deutlich zurückgegangen. Denn aufgrund der oben erwähnten thromboembolischen Ereignisse werden die beiden Vektor-basierten Impfstoffe (Vaxzevria™ und COVID-19 Vaccine Janssen) von der STIKO nur noch für Personen im Alter ≥ 60 Jahren empfohlen. Außerdem sollen alle Personen, „die bisher eine Dosis eines Vektor-basierten Impfstoffes erhalten haben, ein heterologes Impfschema (d.h. 1. Impfung mit Vaxzevria™ oder der COVID-19 Vaccine Janssen gefolgt von einer Dosis eines mRNA-Impfstoffs in einem Abstand von mindestens 4 Wochen)“ erhalten. So kann man es in der 12. Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung nachlesen. Was die Müncher Forscher:innen um Prof. Dr. Christian Weber in der aktuellen Ausgabe des „New England Journal of Medicine“ (NEJM) berichten, ist deshalb nun aber nicht weniger interessant. 

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Denn auch wenn sich die Wissenschaft schnell und intensiv mit den Nebenwirkungen der Vektorimpfstoffe auseinandergesetzt hat, komplett verstanden sind diese noch nicht – und ihre Erklärung ist sicherlich auch für die zukünftige Impfstoffentwicklung interessant. 

Bei der thromboembolischen Nebenwirkung handelt es sich genauer definiert um die sogenannte VITT (Vaccine-induced immune thrombotic thrombocytopenia). In einem Labormodell haben die Münchner Mediziner:innen nun das Blutserum von VITT-Patient:innen zum Blut von gesunden Proband:innen gegeben. Daraufhin „beobachteten sie die Aktivierung der Blutplättchen und die anschließende Bildung von Gerinnseln“, wie es in der Mitteilung heißt. Wurden allerdings zuvor BTK-Inhibitoren beigemischt, kam es nicht zur Gerinnung.

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