Neue Corona-Mutation in Frankreich entdeckt – bei Patienten mit negativem Test

Es gibt eine neue, eine neue Mutante. Sie ist „Made in France“, genauer gesagt „Made in Bretagne“. Dort zumindest haben Frankreichs Gesundheitsbehörden die neue „Variant under Investigation“ entdeckt. Sie soll schwer im PCR-Test nachzuweisen sein. Was das für die Pandemie bedeutet.

Inzwischen ist wohl den meisten der PCR-Test ein Begriff. Gilt der Abstrichtest mit Laboranalyse doch als Goldstandard, um eine Coronavirus-Infektion nachzuweisen. Daraus ergeben sich die Fallzahlen und Inzidenzen, auf die wir jeden Tag blicken. Ausgerechnet diese als sehr zuverlässig geltende Methode scheint nun an ihre Grenzen zu stoßen.

Variante könnte schwer mit PCR-Test nachzuweisen sein

Frankreichs Gesundheitsbehörden haben eine neue Variante des Coronavirus gemeldet, bei der ein Nachweis über die herkömmlichen PCR-Tests erschwert sein könnte. Es habe mehrere Patienten gegeben, die typische Symptome von Covid-19 aufgewiesen, aber ein negatives PCR-Testergebnis erhalten hätten. Das teilte die Generaldirektion des französischen Gesundheitsministeriums in einer Pressemitteilung mit. Die Sars-CoV-2-Infektion bestätigten erst eine Blutuntersuchung beziehungsweise Proben aus den unteren Atemwegen. Nun hat also auch Frankreich seine eigene Variante. dpa Um festzustellen, dass das Virus mutiert ist, reicht ein gewöhnlicher PCR-Test nicht aus

„Französische“ Variante offenbar nicht leichter übertragbar als Ursprungsvirus

Aufmerksam wurden die Behörden darauf durch einen Ausbruch in einem Krankenhaus in Lannion in der Bretagne. Am 13. März traten dort 79 Covid-19-Fälle auf, acht davon verursacht durch die neue Mutation, wie die Sequenzierung ergab. Yannick Herry, ein Vertreter des Krankenhauses Lannion-Trestel berichtete im Interview mit „Le Figaro“: Die gängigen PCR-Tests seien nicht sensibel für die entdeckte Variante. Woran das genau liegt, wird derzeit untersucht.

„Die ersten Analysen dieser neuen Variante lassen nicht den Schluss zu, dass sie schwerere Verläufe verursacht oder leichter übertragbar ist als das ursprüngliche Virus“, hieß es von Seiten des Gesundheitsministeriums. Eingehende Untersuchungen seien im Gange – etwa um zu prüfen, wie die Mutante auf Impfstoffe und Antikörper vorangegangener Infektionen reagiert.

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  • Die Gesundheitsbehörden stuften die Variante als „Variant under Investigation“ ein, also eine genau zu beobachtende. Noch gilt sie daher nicht, wie die britische Variante B.1.1.7 als „Variant of Concern“. Damit bewerten Gesundheitsorganisationen wie auch das Robert-Koch-Institut (RKI) besonders besorgniserregende Virusvarianten, die sich etwa nachweislich schneller verbreiten als der Wildtyp.

    Die französische Generaldirektion betonte zudem, dass Viren sich ständig weiterentwickeln und sensibilisiert dafür, wie wichtig die Eindämmungsmaßnahmen wie schnelles Impfen, Abstand halten und Beschränkung von Versammlungen seien.

    Bretonisches Virus gehört zu den Clade20C-Varianten

    Bisherigen Erkenntnissen zufolge hat sich die „französische“ Variante aus den Clade20C-Varianten des Coronavirus entwickelt. Wie sich die neu entdeckte Mutation verhalten wird und welche Rolle sie für die Pandemie spielen wird, lässt sich aktuell noch nicht beurteilen.

    Der Vergleich mit verwandten Mutationen B.1.346 und B.1.429 zeigt: Bisher sind auch davon relativ wenig Fälle erfasst. Das zeigen Zahlen der Internetseite „PANGO lineages“, auf der unter anderem Mitarbeiter der Universitäten Oxford und Edinburgh weltweite Daten sammeln. Die als B.1.346 bekannte Mutation beobachteten Experten bisher vor allem in den westlichen USA, Japan und Kanada: 263 zugeordnete Fälle (Stand: 17.03.2021)

    Ähnliches gilt für die sogenannte kalifornische Variante B.1.429 oder auch CAL.20C: 8923 Fälle dokumentiert (Stand: 17.03.2021). Sie zirkuliert überwiegend in Kalifornien und zeichnet sich beispielsweise durch die L452R-Mutation im Spike-Protein-Gen aus.

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    Wie gefährlich ist die französische Variante?

    „Varianten lokal zu beobachten ist wichtig, wenn es zum Beispiel um die globale Evaluierung von Impfstoffwirksamkeit geht“, sagt Epidemiologe Klaus Stöhr im FOCUS-Online-Interview zu Varianten im Allgemeinen. „Aber von den tausenden lokal gefundenen Varianten gewinnen nur sehr wenige eine regionale, und davon nur ganz selten einige eine globale Bedeutung. Dann passt man den Impfstoff an – genau wie wir es vom Influenzavirus kennen.“

    Stöhr weist zudem darauf hin: Das Spektrum der zur Verfügung stehenden Maßnahmen habe sich mit den Mutationen nicht verändert.

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    In der Bretagne sind die Menschen derweil nach wie vor beunruhigt. Yannick Herry versicherte, dass die Betroffenen wie auch das betreuende Personal besonders geschützt würden und sagte: „Zum aktuellen Zeitpunkt wissen wir nicht viel, wir warten auf die übrigen Erkenntnisse der Sequenzierungen.“

    Wichtig im Kampf gegen die Pandemie wird es bleiben, Infektionen frühzeitig zu erkennen. Der Pharmakonzern Roche kündigte daher am Dienstag an, einen neuen Test auf den Markt zu bringen. Dieser soll die Mutationen differenzieren können – etwa die britische, südafrikanische und brasilianische.

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