„Panik-Papier“ aus dem RKI? Das steht wirklich im angeblichen „Alarm-Bericht“

Ein RKI-Papier hat in den vergangenen Tagen für Ärger gesorgt. In diesem „Alarm-Papier“ soll RKI-Chef Wieler unter anderem einen neuen Lockdown fordern, um die Delta-Variante in den Griff zu kriegen. Was steht wirklich in dem Papier?

Was hatte es doch für einen Ärger gegeben: Als „Panik-Papier“ betitelte die „Bild“-Zeitung das Dokument des Robert-Koch-Instituts, das Instituts-Chef Robert Wieler den Länderchefs und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Montag präsentierte. Darin fordere Wieler einen neuen Lockdown angesichts der Delta-Mutation und weitgehende Freiheitsbeschränkungen. Und: Die Inzidenz bleibe, wenn es nach dem RKI gehe, weiterhin „Leitindikator für die Pandemie“.

Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online 

„Die vierte Welle hat begonnen“

In die Debatte mischte sich auch Jens Spahn (CDU) ein. „Mit steigender Impfrate verliert die Inzidenz an Aussagekraft“, sagte der Gesundheitsminister zur „Bild“-Zeitung – und widersprach Wieler damit.

Doch was steht wirklich in dem angeblichen „Panik-Papier“?

In der zehnseitigen Powerpoint-Präsentation, die auf den 26. Juli datiert ist, beginnt Wieler mit einigen grundlegenden Daten: Mehr als 40 Millionen Menschen in Deutschland ohne vollständigen Impfschutz, steigende Inzidenz und Hospitalisierungsrate. Laut Wieler ist klar: „Die vierte Welle hat begonnen.“

Daten aus den Delta-Hotspots enden bei Wieler vor der Trendwende

Auf drei Folien wird dann der aktuelle Corona-Stand in Portugal, Großbritannien und den Niederlanden dargelegt. Wieler zeigt: Nach Öffnungen und Lockerungen war es in den drei Ländern zu teils massiven Anstiegen der Fallzahlen gekommen, auch die Hospitalisierungsraten waren angestiegen. Allerdings gingen die Daten nur bis einschließlich zum 23. Juli, in den Tagen danach verlangsamte sich der  Inzidenz-Turbo in den Delta-Hotspots, die Kurve dreht sich wieder nach unten. Ob der Trend nach unten langfristig anhält, wird sich zeigen müssen, genau wie die Frage, ob der Trend auch in Deutschland eintreten wird.

Nach einer kurzen Grafik zum Impffortschritt geht Wieler im Anschluss auf das „weitere Vorgehen“ und einen „Ausblick“ ein. Bei den 12- bis 59-Jährigen müsse eine Impfquote von 85 Prozent das Ziel sein, bei den Über-60-Jährigen nennt der RKI-Chef die Zielmarke 90 Prozent. Das „zielgruppenspezifische und aufsuchende Impfen“ sei nun wichtig.

Das Wieler-Fazit zog Ärger auf sich – viel übrig bleibt davon aber nicht

RKI

Dann geht es zum Fazit – und damit zu dem Punkt, der für den meisten Ärger sorgte. Wieler nennt die Inzidenz „Leitindikator für die Infektionsdynamik“. Der RKI-Chef betont: „Die 7-Tage-Inzidenz bleibt daher wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren.“

Das RKI habe das Ziel, „die Inzidenz – insbesondere im Hinblick auf den Herbst und Winter – so niedrig wie möglich zu halten.“ Als mögliche Maßnahmen nennt Wieler die Reduktion von Kontakten und der Mobilität. Auch wenn reduzierte Kontakte und Mobilität natürlich Einschränkungen bedeuten – von einer angeblichen Lockdown-Forderung ist das noch weit entfernt. Zuvor hatte das RKI selbst sogar einen möglichen Stufenplan für die Rücknahme der Corona-Maßnahmen vorgelegt.

Beim Blick auf das Fazit bleibt also vom „Alarm-Papier“ nicht viel übrig – auch wenn Wieler mit seinen Warnungen natürlich die Hintertür für die Forderung nach radikaleren Maßnahmen offen lässt.Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Impfung finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

10-Jahres-Prognose von Förster lässt Lanz fassungslos zurück

FOCUS Online/Wochit 10-Jahres-Prognose von Förster lässt Lanz fassungslos zurück

Quelle: Den ganzen Artikel lesen