Plötzlich die Zukunft im Blick?

Zum diesjährigen Deutschen Apothekertag, der erstmals seit zwei Jahren wieder stattfindet, liegen einige Anträge vor, die sich mit der Novellierung der Approbationsordnung beschäftigen. Der Inhalt überrascht – ein Gastkommentar von Ilias Essaida.

Der letzte Deutsche Apotheker Tag (DAT) liegt nun knapp zwei Jahre zurück. Im September 2019 trafen sich die Delegierten der Apothekerkammern und -verbände zuletzt in Düsseldorf. Das höchste beschlussfassende Gremium der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) besprach damals auch die Novellierung der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO). Letztendlich einigte man sich darauf, den Sachverhalt in einen „Ausschuss“ zu verschieben – das Thema verschwand von der standespolitischen Bildfläche.

Knapp ein Jahr später – mittlerweile ist es Ende 2020 – kommt Bewegung in die Sache. Nachdem man die letzten zwei Jahre verschlafen hat, lädt die Bundesapothekerkammer (BAK) nun zum „Runden Tisch“. An diesem Tisch sitzen neben der BAK selbst auch Vertreter:innen der Professor:innen, der Gewerkschaft ADEXA, der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), der Krankenhausapotheker:innen (ADKA), der Industrie und der Studierenden.

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Sind wir für die Zukunft gerüstet mit einer Approbationsordnung, die älter ist als wir?

Besonders die Studierenden haben in der Vergangenheit immer wieder Druck gemacht und auf eine Novellierung der dreißig Jahre alten Approbationsordnung (zuletzt geändert vor zwanzig Jahren) gedrängt. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. (BPhD) legte bereits ein detailliertes Konzept über die Anpassung der Approbationsordnung vor.

Doch auch der Runde Tisch scheint sich nicht als effiziente Arbeitsgruppe zu etablieren, im Gegenteil: Mittlerweile arbeiten die Professor:innen alleine an einem Entwurf zur Anpassung der Approbationsordnung, das Ruder wurde bereitwillig an die Lehre abgetreten. Dies trägt vielleicht zur Effizienz des Runden Tisches bei und erhöht eventuell auch die Geschwindigkeit, mit der ein brauchbares Ergebnis produziert wird, hat jedoch einen gewissen Beigeschmack: Die Vertreter:innen der Pharmazeutischen Chemie haben es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, ihr Fach mit einem ordentlichen Stundensatz in der Approbationsordnung zu verankern. Dies könnte auch diesmal den Bestrebungen, die Pharmakologie und Klinische Pharmazie im zeitlichen Umfang in der Approbationsordnung zu stärken, entgegenstehen. Das wäre allerdings fatal, wenn man bedenkt, wie wichtig diese Fächer im Kontext der Patient:innenbetreuung sind.

Doch kurz vor dem nächsten DAT scheint Bewegung in die Sache zu kommen: Es liegen einige Anträge vor, die sich dem Thema der Approbationsordnung widmen.

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Politisch kann man diese Entwicklung auf zwei Weisen deuten: Zum einen hat vor kurzem ein Wechsel an der Spitze der ABDA und der BAK stattgefunden. Besonders Gabriele Overwiening, Präsidentin der ABDA, hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass ihr die Novellierung besonders wichtig sei. 

Auf der anderen Seite liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei den Anträgen in nicht unbedeutender Weise um ein politisches Schaulaufen handelt. Der Verdacht erhärtet sich umso mehr, wenn man bedenkt, dass sich besonders die Landesapothekerkammer Hessen (LAK Hessen) neuerdings die Zukunft des Studiums auf die Fahne geschrieben hat. Ursula Funke, die Präsidentin der LAK Hessen, ist gleichzeitig auch Vizepräsidentin der Bundesapothekerkammer (BAK) und Mitglied des Geschäftsführenden Vorstandes der ABDA.

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