Resistenz entdeckt: Hirnhautentzündung bald nicht mehr behandelbar? – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

Meningitis durch Bakterium mit Antibiotikaresistenz

Ein kürzlich veröffentlichter Krankenhausbericht äußert ernste Besorgnis über die Entwicklung einer Antibiotikaresistenz bei einem weit verbreiteten Bakterium, welches lebensgefährliche Hirnhautentzündungen auslösen kann. Antibiotika stellt die Standardbehandlung bei bakterieller Meningitis dar.

Ärztinnen und Ärzte des amerikanischen Krankenhauses Children’s National Hospital veröffentlichten kürzlich einen Bericht über einen Meningitis-Fall, der durch antibiotikaresistente Bakterien ausgelöst wurde. Bislang ließ sich eine bakterielle Gehirnhautentzündung sehr gut mit Antibiotika behandeln, da das auslösende Bakterium Neisseria meningitidis gewöhnlich sehr empfindlich auf Penicillin oder Ampicillin reagiert. Nun wurde ein resistenter Stamm entdeckt. Der Fallbericht wurde in dem „Journal of the Pediatric Infectious Disease Society“ veröffentlicht.

Hirnhautentzündungen sind lebensgefährlich

Das Bakterium Neisseria meningitidis, auch als Meningokokken bekannt, ist laut dem Bericht der Hauptauslöser für bakterielle Meningitis insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Ein antibiotikaresistenter Bakterienstamm könnte den Ärztinnen und Ärzten zufolge weltweit die klinische Praxis der Behandlung verändern. Hirnhautentzündungen sind gefährlich und können schlimmstenfalls sogar zum Tod führen. Typische Symptome sind

Wie wird Meningitis behandelt?

Antibiotika spielen bei der Behandlung einer bakteriellen Hirnhautentzündung eine entscheidende Rolle. In der Regel wird eine Infektion zunächst mit dem Breitband-Antibiotikum Ceftriaxon behandelt. Ist durch einen Labortest sichergestellt, dass es sich um Meningokokken handelt, kommt gewöhnlich Penicillin oder Ampicillin zum Einsatz, um das Risiko einer Ceftriaxon-Resistenz zu senken. Oft müssen Familienmitglieder und enge Kontaktpersonen prophylaktisch das Antibiotikum Ciprofloxacin einnehmen.

Kaum Kontrollen auf Antibiotikaresistenzen

Da N. meningitidis seit jeher empfindlich auf Antibiotika reagiert, lässt sich die Krankheit gut mit diesen Medikamenten behandeln. Labordirektor Dr. Joseph Campos bemängelt jedoch, dass oftmals keine Tests zur Kontrolle der Medikamentenempfindlichkeit durchgeführt werden. Solche Kontrollen können durch einen 5-Minuten-Schnelltest auf Penicillin- und Ampicillinresistenz erfolgen. Die Relevanz dieser Kontrollen wird durch den aktuellen Fallbericht unterstrichen, bei dem Resistenzen bei dem gefährlichen aber an sich gut zu behandelnden Bakterium nachgewiesen wurden.

„Das Labor verwendete einen Schnelltest, und nach nur wenigen Minuten war er positiv“, betont Dr. Campos. „Wir haben ihn noch einmal durchgeführt, um sicherzustellen, dass er genau war und die Ergebnisse reproduzierbar waren – da wussten wir, dass wir dieses Ergebnis den Gesundheitsbehörden mitteilen mussten“, berichtet der Experte.

Fünf Monate altes Baby betroffen

Die Probe mit dem resistenten Bakterium stammt von einem fünf Monate altem Säugling, der sich zuvor bester Gesundheit erfreute. Nach einem siebentägigen Aufenthalt in der Notaufnahme galt das Baby als geheilt. Die Familienmitglieder wurden prophylaktisch mit Rifampin anstelle von Ciprofloxacin behandelt. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte unterstreichen, dass der Säugling vermutlich unangemessen behandelt worden wäre, wenn die Resistenz unbekannt geblieben wäre.

Der Fall schlug Wellen

Nachdem das Team Proben der antibiotikaresistenten Bakterien an das Public Health Laboratory in Washington, D.C. und das Gesundheitsministerium von Maryland verschickt hatte, schaltete sich auch das Centers for Disease Control and Prevention (CDC) ein, welches in den USA für die Seuchenkontrolle zuständig ist. Antibiotikaresistenzen werden weltweit zu einem wachsenden Problem, da gefährliche bakterielle Krankheiten durch die Resistenzen immer schlechter medikamentös therapiert werden können.

Der aktuelle Fall unterstreicht die Notwendigkeit eines angemessenen Einsatzes von Antibiotika, der sich nur durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Laboren und Arztpraxen erreichen lässt, so die Autorinnen und Autoren des Berichts. (vb)

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