Schlafstörungen von Kindern erhöhen Depressionsrisiko – Heilpraxis

Auswirkungen eines gestörten Schlafes

Längerfristige Schlafprobleme bei Kindern können dazu führen, dass diese eine Depression entwickeln. Eltern sollten auf Schlafschwierigkeiten ihres Nachwuchses achten und gegebenenfalls ärztliche Hilfe suchen. Dr. Ulrich Fegeler vom Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) erklärt, ab wann ernsthaft gestörter Schlaf vorliegt und wie sich Schlafstörungen auf die Psyche von Kindern auswirken.

Schlafprobleme von Kindern ernst nehmen

Wenn Kinder unter Schlafproblemen leiden, sollte dies keineswegs auf die leichte Schulter genommen werden. Denn Schlafschwierigkeiten bei Kindern stehen auch in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Depressionen, so das Ergebnis einer kanadischen Studie unter der Beteiligung von Forschenden der University of Toronto. Bisher wird auftretenden Schlafstörungen bei Kindern oftmals nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt.

Krankheiten können Schlafverhalten beeinflussen

„Auch starke psychische Belastungen sowie eine beginnende Depression können sich durch verändertes Schlafverhalten bemerkbar machen. Und bestimmte Krankheiten können den Schlaf stören und das Kind dann anfällig für eine Depression machen. Beispielsweise erschwert der nächtliche Juckreiz bei Neurodermitis das Schlafen oder nächtliche Atmungsstörungen- sogenannte Schlafapnoen – beeinträchtigen die Schlafqualität. Autismusspektrumstörungen (ASD) sind ebenso häufig mit Schlafstörungen verbunden. Wichtig ist es in allen Fällen, dies nicht zu ignorieren“, erläutert Dr. Ulrich Fegeler, Teil des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen.

Eltern sollten ein Schlaftagebuch führen

Mit Hilfe eines sogenannten Schlaftagebuchs könne ermittelt werden, ob bei Kindern wirklich eine Schlafstörung vorhanden ist. Besonders bei Säuglingen kann ein von den Eltern ausgefülltes Schlaftagebuch Sinn machen, so der Fachmann. Eine Alternative zu einem echten Schlaftagebuch biete eine entsprechende App des BVKJ.

Der Facharzt für Pädiatrie erklärt, ob und wann weitere Untersuchungen (beispielsweise in einem Schlaflabor) bei Schlafproblemen sinnvoll sind. Zusätzlich gibt der Experte Tipps, wie sich die Schlafqualität verbessern lässt.

Gelegentliche Schlafstörungen kein Grund zur Sorge

Wenn lediglich gelegentliche Schlafstörungen vorliegen, sei dies noch kein Grund zur Sorge, denn es bleibe generell möglich, kurzfristig fehlenden Schlaf durch intensiveres Schlafen ausgleichen, so der Experte. Viele Säuglinge und auch Kleinkinder wachen pro Nacht häufig mehrfach auf, was kein Grund zur Sorge für die Eltern sein müsse.

Wann liegt eine Schlafstörung vor?

Anders sehe es aus, wenn sich Kindern weigern, alleine in ihrem Bett zu bleiben oder immer wieder in der Nacht aufwachen (bis zu zehn mal oder öfter in einer einzigen Nacht) und die betroffenen Kinder ihre Eltern brauchen, um wieder einschlafen zu können. In einem solchen Fall liegt laut Aussage des Mediziners eine Störung vor.

Was ist eine Einschlafstörung?

Von einer Einschlafstörung sprechen Fachleute, wenn ein Kind im Alter unter einem Jahr, in einem Zeitraum von einem Monat an mehr als fünf Nächten in der Woche länger als 30 Minuten zum Einschlafen braucht, erläutert der Fachmann.

Was ist eine Durchschlafstörung?

Eine sogenannte Durchschlafstörung bezeichnet dagegen, wenn Kinder über den Zeitraum von einem Monat in mehr als fünf Nächten pro Woche dreimal oder noch häufiger in einer Nacht aufwachen, nach dem Aufwachen im Durchschnitt länger als 30 Minuten wach liegen oder die Unterstützung ihrer Eltern zum Wiedereinschlafen brauchen, so der Kinderarzt Dr. Fegeler.

Auswirkungen von COVID-19 auf den Schlaf

Es gibt verschiedene Umstände, welche den Schlaf negativ beeinflussen können, und im Zuge der COVID-19-Pandemie sind auch Auswirkungen auf den Schlaf von Kindern zu verzeichnen. Eine Analyse von Forschenden der Universität Freiburg und des Universitätsspitals Zürich zu den Ergebnissen verschiedener Studien zeige beispielsweise, dass die Schlafqualität von Kindern in Europa durch den Lockdown im Frühjahr des Jahres 2020 negativ beeinflusst wurde, berichtet der BVKJ.

Die an der Untersuchung beteiligten Fachleute nehmen an, dass die reduzierte Schlafqualität bei Säuglingen und Vorschulkindern teilweise in Verbindung mit einem erhöhten Stresslevel der Eltern steht. Außerdem könnten mangelnde Bewegung und mehr vor dem Bildschirm verbrachte Zeit während des Lockdowns bei älteren Kindern die Schlafqualität beeinträchtigen.

Zusätzlich können bei einigen Kindern auch Stress, Angststörungen und depressive Stimmung zu einer verminderten Schlafqualität beitragen, fügen die Forschenden hinzu. (as)

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