So sehr stresst uns die Pandemie – und wie Bewegung helfen kann

Die Zahlen sind ganz eindeutig. Die Corona-Pandemie hat den Stressfaktor in Deutschland steigen lassen. Laut der TK-Stressstudie "Entspann dich, Deutschland" sagen rund zwei Drittel  (64 Prozent) hierzulande, sie fühlten sich mindestens manchmal gestresst. Mehr als ein Viertel sogar häufiger. Die Auswirkungen der Corona-Zeit sind klar. Auf die Frage, ob ihr Leben seit Beginn der Pandemie stressiger geworden ist, antwortet rund die Hälfte der Befragten mit Ja (47 Prozent).

Familien mit Kindern im Haushalt fühlen sich stärker gestresst (60 Prozent) als Haushalte ohne Kinder (43 Prozent). Besonders gestresst sind Erwerbstätige im Homeoffice mit mindestens einem Kind (64 Prozent) im Vergleich zu Beschäftigten im Homeoffice ohne Kind (42 Prozent). Das bleibt nicht ohne Folgen. Von den häufig Gestressten leidet ein Großteil unter Erschöpfung, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und sogar Depressionen. Seit Jahren steigen die psychisch bedingen Fehlzeiten in Unternehmen an. 

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Was also tun? Eine wichtige Rolle beim Abbau von Stress kann Bewegung und da besonders Ausdauersport wie Laufen spielen. Denn der wirkt nachweislich stimmungsaufhellend. Die biochemischen Botenstoffe aus der Muskulatur wirken nicht nur auf die Physis, sondern auch auf Gehirn und Psyche. Sportlich aktive Kinder zum Beispiel sind besser in der Schule als inaktive. Aerobes Ausdauertraining kurbelt bei Erwachsenen die sogenannte Neurogenese an, die Neubildung von Nervenzellen im Gehirn. Das beugt Alzheimer, Demenz, Parkinson und zahlreichen anderen neurologischen Krankheiten vor. Inzwischen ist sehr gut belegt, dass Depressionen sich durch regelmäßige körperliche Aktivität zum Teil fast genauso gut behandeln lassen wie mit Psychopharmaka oder Gesprächstherapie. Auch auf Ängste hat Bewegung wohl eine ähnlich positive Wirkung. 

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Im Gehirn wirkt Bewegung vielfältig

Mit großer Wahrscheinlichkeit hätten wir es mit viel weniger Fällen psychischer Erkrankungen zu tun, wenn wir dafür sorgen würden, dass sich alle von klein auf mehr bewegen – in diesem Urteil sind sich viele Experten inzwischen einig. Die Corona-Pandemie, die Lockdowns und die Angst vor Ansteckungen hat leider auch dafür gesorgt, dass sich viele noch weniger bewegen als ohnehin schon. Es gibt nicht wenige, die auch deswegen einen Zunahme an psychischen Erkrankungen voraussagen. Denn im Gehirn wirkt Sport besonders vielfältig. Heute verstehen Experten die dafür sorgenden Abläufe immer besser. So sinkt bei Bewegung etwa die Aktivität im Stirnhirn, dem präfrontalen Kortex. Deshalb lassen Grübeln, Nachdenken oder Ärger spürbar nach. Die neuronalen Ressourcen werden jetzt im Kortexareal benötigt. Also dem Bereich, der für die Bewegungssteuerung und Körperwahrnehmung zuständig ist. Das ist wie eine tatsächliche Atempause für das Gehirn. Ein Phänomen, das besonders Läufer gut kennen, da jeder schnelle Schritt ein vom Gehirn perfekt orchestrierter und gesteuerter Ablauf ist.

Die bei Bewegung ausgestoßenen Botenstoffe wirken wie Balsam für die Stimmung. Wer sich regelmäßig bewegt, ist besser gelaunt und leidet seltener an Depressionen. Wie amerikanische Forscher herausfanden, findet sich im Körper von sportlichen Menschen das Neuropeptid und Protein VGF, welches das Gehirn resistenter gegen Stress macht. Gleichzeitig sinkt der Spiegel des Stresshormons Cortisol. Das macht ausgeglichener. Aber damit noch nicht genug: Die Aminosäure Tryptophan, eine Vorstufe des Wohlfühlhormons Serotonin, wird besser ins Gehirn transportiert. Am Ende hilft sie dabei, Emotionen besser zu verarbeiten und sorgt für mehr Ausgeglichenheit. Die perfekte Gute-Laune-Mischung. Und wenn richtig dosiert auch die einzig bekannte Methode ohne Nebenwirkungen.

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