Startschuss für das Impfterminportal

Ein staatliches Terminportal für Corona-Impfungen soll Baden-Württemberg besser durch die bevorstehende Herbst- und Wintersaison bringen als im Jahr zuvor. Gestern fiel der Startschuss mit 660 Praxen und rund 10.000 Impfterminen pro Woche. Die Apotheken befinden sich derweil noch im „Onboarding“, wie der Landesapothekerverband mitteilt.

In Baden-Württemberg haben die politisch Verantwortlichen aus der Chaosphase 2021 offenbar ihre Lehren gezogen. Damals, als die ersten Corona-Impfstoffe für immer mehr Menschen bereitstanden, waren die Online-Portale mit den Zugriffen praktisch überfordert. Nur mit viel Glück und unter außergewöhnlichem Einsatz gelang es der Bevölkerung, an einen der begehrten Termine in den Impfzentren des Landes zu gelangen. Erst mit abnehmender Nachfrage und gleichzeitig zunehmendem Angebot schaukelte sich das System ein.

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Das soll sich in der bevorstehenden Herbst- und Wintersaison so nicht wiederholen. Dafür wurde unter Federführung des Sozialministeriums in Baden-Württemberg ein Impfterminportal entwickelt. Der Startschuss erfolgte gestern, zuvor war es in den vergangenen Wochen still geworden um den aktuellen Status des Portals. Ursprünglich war der Start sogar erst für Ende September angekündigt. Doch nun ging offenbar alles ganz schnell und das Sozialministerium erklärt per Mitteilung: „660 Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und -ärzte sowie Apotheken aus Baden-Württemberg haben sich bereits beim Portal impftermin-bw.de registriert. Damit stehen zum heutigen Start rund 10.000 Impftermine pro Woche zur Buchung bereit. Jeden Tag kommen weitere Termine hinzu.“

Heilberufekammern unterstützen das Portal

Ein breites Bündnis von Heilberufekammern und Verbänden unterstützt das Portal und ruft seine Mitglieder auf, sich zu beteiligen und Termine anzubieten. Auch die Apothekerschaft ist vertreten, immerhin sind laut Martin Braun, Präsident der Landesapothekerkammer, weit mehr als 1.000 Apothekerinnen und Apotheker im Land geschult und könnten ein niedrigschwelliges und flächendeckendes Angebot als Ergänzung zum ärztlichen Impfangebot anbieten.

Doch um als Apotheke im Impfportal von den Nutzerinnen und Nutzer gefunden zu werden, müssen die Betriebsstätten einen Onboarding-Prozess durchlaufen, erklärt ein Sprecher des Landesapothekerverbands. Im Gegensatz zu den Praxen müssten die Apotheken nämlich nachweisen, dass sie überhaupt berechtigt sind, Corona-Impfungen anzubieten. Der Verband informiert und unterstützt seine Mitglieder daher seit Ende der vergangenen Woche bei der Verifizierung.

Verbändeportal soll an das staatliche Terminportal gekoppelt werden

Gleichzeitig soll per Schnittstelle das staatliche Terminportal in Baden-Württemberg mit dem Verbändeportal der standeseigenen Gedisa verbunden werden. Denn auch über den Apothekenmanager können Nutzer die Apotheken mit einem Impfangebot finden und Termine buchen. Die Apotheken in Baden-Württemberg hätten bei einer erfolgreichen Anbindung dann alle Termine auf einen Blick – die aus dem staatlichen Terminportal und die aus dem Apothekenmanager. 

Doch bei der Gedisa arbeitet man derzeit noch am technischen Feinschliff und verspricht bis Ende des Monats, dass die Interaktion gelingt. Dass man bei der standeseigenen Digitalgesellschaft überhaupt in die Lage versetzt wurde, den 17.000 Verbandsapotheken ein Terminmanagementsystem anzubieten, hängt damit zusammen, dass seit Anfang September eine Kooperation mit Apomondo besteht. Hinter Apomondo stecken die Apothekerin Margit Schlenk und ihre Kollegen Stefan Frank, Elvan Erdal und Wolfgang Kuhn sowie der Geschäftsführer der Digitalkontor, Uwe Gebauer. Das Unternehmen beschäftigt sich insbesondere mit der Telepharmazie und hat dafür bereits eine App auf den Markt gebracht.

Wie viele Apotheken machen mit?

Wie viele Apotheken in Baden-Württemberg den Onboarding-Prozess erfolgreich durchlaufen haben, ist derzeit nicht bekannt. Die Beantwortung einer DAZ-Anfrage bei der zuständigen Landesapothekerkammer steht noch aus.

Bei der Buchung eines Termins über impftermin-bw.de können gezielt Termine in der näheren Umgebung gesucht werden. Die Nutzerinnen und Nutzer können dann aus den angebotenen Terminen auswählen, wann, wo und mit welchem Impfstoff sie geimpft werden möchten. Bei der Terminvergabe wird bereits im Vorfeld über den bei der Impfung verwendeten Impfstoff informiert. 

Direkt nach Abschluss einer Terminbuchung erfolgt per E-Mail oder per SMS eine Terminbestätigung. Man kann zudem nicht nur für sich, sondern auch für weitere Personen einen Termin buchen. Termine für die neuen Omikron-angepassten Impfstoffe werden erst ab Ende dieser Woche buchbar sein. Das Portal soll nicht nur leichter und zielgerichteter zu tatsächlichen Impfungen führen, sondern auch registrieren, wie hoch die Nachfrage in der Bevölkerung ist und unter welchen Umständen keine Termine vereinbart wurden.

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