Trump erhält Remdesivir – eigentlich kommt das nur bei schweren Verläufen zum Einsatz

US-Präsident Donald Trump zeigt Corona-Symptome. Laut offiziellen Angaben sind diese bisher nur leicht, sein Aufenthalt im Krankenhaus eine reine Vorsichtsmaßnahme. Allerdings erhält er das Medikament Remdesivir. Bei leichten Symptomen kommt es normalerweise nicht zum Einsatz.

US-Präsident Donald Trump ist aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus im Krankenhaus – eine reine Vorsichtsmahne, wie es offiziell bislang heißt. Trump zeige nur milde Symptome. "Ich bin optimistisch, dass er sich sehr schnell und zügig erholen wird", erklärte Stabschef Mark Meadows.

In den "kommenden Tagen" werde der Präsident trotz coronabedingter Erschöpfung und Müdigkeit vom Krankenhaus aus arbeiten, teilte seine Sprecherin mit. Neben einem experimentellen Antikörper-Cocktail, den er zur besseren Abwehr des Virus schon bekommen haben soll, werde Trump derzeit mit Zink, Vitamin D sowie dem Magenmittel Famotidin, Aspirin und dem Schlafhormon Melatonin behandelt. Auf zusätzlichen Sauerstoff sei er nicht angewiesen. Allerdings erhalte Trump zusätzlich Remdesivir.

Damit behandeln die Ärzte Trump nun offenbar mit genau dem Mittel, von dem er sich und den USA im Juli und August noch fast die gesamten verfügbaren Dosen sicherte, um im Kampf gegen Covid-19 besonders gut aufgestellt zu sein.

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Was Remdesivir im Körper macht

Remdesivir ist ein Wirkstoff, der ursprünglich gegen Ebola helfen sollte; das tat er nicht. Deshalb war er zunächst nicht offiziell als Arzneimittel zugelassen. Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie allerdings war der Wirkstoff einer der ersten, den Mediziner öffentlich als potenziell gegen Covid-19 wirksam in den Ring warfen.

Und anders als viele andere Präparate bestätigten sich die Hoffnungen in das Mittel im Frühjahr schnell in ersten Studien. Ein Allheilmittel gegen Corona, wie es manche zunächst propagierten, ist das zunächst in den USA per Eilzulassung zugelassene Medikament zwar nicht. Doch inzwischen gehört das Ex-Ebola-Mittel zur Standardtherapie bei stationär im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten.

In Deutschland kommt es in der Regel bei Betroffenen zum Einsatz, die unter einem moderaten bis schweren klinischen Verlauf leiden; also unter Fieber, Atemwegsbeschwerden und einer verminderten Sauerstoffsättigung von deutlich unter 94 Prozent. Oft kommt dann zur Symptomatik eine schwere Lungenentzündung hinzu. US-Präsident Trump soll unter all diesen Krankheitszeichen offiziell nicht leiden. Allerdings gab es bereits Berichte unter Berufung auf Berater des Präsidenten, die Fieber und Atembeschwerden als Trumps Symptome herausstellten.

Remdesivir hilft nur in den ersten Tagen nach Symptombeginnn

Das Präparat soll im Körper grundsätzlich genau das erreichen, was bei Ebola nicht gelang: die Vermehrung des Erregers blockieren und seine Ausbreitung im Organismus verhindern. Bei dem neuartigen Coronavirus scheint das zumindest in Teilen gut zu funktionieren – zumindest in der sogenannten viralen Phase der Covid-19-Erkrankung, also etwa bis zum zehnten Tag nach Symptombeginn, wie Chefarzt Clemens Wendtner kürzlich im FOCUS-Online-Interview schilderte. Corona-Patienten erhalten es dann per Infusion.

Kommen Betroffene erst später im Krankheitsverlauf in die Klinik, hilft das Mittel nach heutigem Stand nicht mehr; die Schäden am Organismus sind dann bereits geschehen, die bloße Reduktion der Viruslast nicht mehr ausschlaggebend für den weiteren Verlauf.

„Nach dem zehnten Tag ist es sozusagen zu spät für Remdesivir. Wir haben keine ausreichenden Daten, dass es den Corona-Verlauf dann noch günstig beeinflusst“, erklärt Wendtner, der das Mittel in der München Klinik Schwabing als eine der ersten Kliniken in Deutschland getestet hat.

Vitamin D gehört zur Covid-19-Standardtherapie

Neben Remdesivir bekommen stationär behandelte Corona-Patienten in der Regel auch weitere Medikamente – wie Vitamin D3, das auch Trump jetzt wohl bekommt. Das Vitamin kann den Corona-Verlauf nach aktueller Studienlage günstig beeinflussen.

Ebenfalls Teil der inzwischen etablierten Corona-Standardtherapie: der Blutverdünner Heparin. Je nach Schwere des Verlaufs, erhalten Patienten eine unterschiedlich hohe Dosis davon – die eine vollständige oder zumindest teilweise Hemmung der Blutgerinnung bei den Patienten bewirken und damit die Bildung von Blutpropfen (Thromben) verhindern soll.

Denn: Untersuchungen haben gezeigt, dass Covid-19 die Blutgerinnung empfindlich stören kann. In der Folge bilden sich oft Klümpchen, die zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen können. Dem soll durch die Verdünnung des Bluts vorgebeugt werden. Von einem Blutverdünner war im Fall Trump bisher jedoch keine Rede.

Verschlechtert sich die Konstitution der Corona-Patienten, so dass die Sauerstoffsättigung nur mehr bei weniger als 90 Prozent liegt, kommt in der Spätphase der Covid-19-Erkrankung in der Regel statt Remdesivir das Kortikosteroid Dexamethason zum Einsatz. Dieses markiert so etwas wie das Endstadium der heutigen Corona-Therapie. Studien etwa aus England haben gezeigt, dass das Medikament, das bislang bei der Behandlung von Allergien und Autoimmunkrankheiten zum Einsatz gekommen ist, helfen kann, eine übersteigerte – und schlimmstenfalls tödliche – Immunreaktion des Körpers zu unterbinden.

US-Präsident hat Corona: Donald Trump und First Lady positiv auf Corona getestet

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