Während Deutschland vom Corona-Ende träumt, sind diese Länder zurück im Lockdown

Während Deutschland über den optimalen Zeitpunkt für ein Ende der Corona-Beschränkungen diskutiert, steigen vor allem im Osten Europas die Corona-Zahlen rasant. Das dürfte auch an der niedrigen Impfquote liegen. Einige Regierungen kehren daher zu einem altbewährten Mittel zurück: dem Lockdown.

Es ist nur eine symbolische Zahl, aber sie lässt aufhorchen: Die Corona-Inzidenz ist in Deutschland wieder dreistellig. Gesundheitsminister Spahn will trotz der steigenden Tendenz den nationalen Ausnahmezustand im Frühjahr beenden.

Doch während die Zeichen hierzulande eher auf Lockerung stehen, sieht es in anderen Ländern wesentlich schlechter aus. Vor allem im Osten Europas steigen die Corona-Zahlen rasant. Einige Regierungen schicken ihre Bevölkerung daher zurück in den Lockdown. Ein Überblick.

Lettland: Strikter Lockdown für einen Monat

Am Donnerstag hat die Regierung in Riga angesichts stark steigender Corona-Neuinfektionen die Notbremse gezogen und das Land bis zum 15. November in einen Lockdown geschickt – mit umfassenden Beschränkungen und einer nächtlichen Ausgangssperre.

Die Gesundheitsbehörde in Riga vermeldete am Freitag 3133 positive Tests binnen eines Tages – ein Rekordwert seit Beginn der Pandemie. Die Lage vor Ort ist dramatisch. Krankenhäuser haben bereits die Behandlung von Menschen mit Krebs und anderen Krankheiten eingestellt. Sie konzentrieren sich stattdessen auf Covid-Patienten, die intensivmedizinisch betreut werden müssen.

„Wir gehen alle für vier Wochen in ein strengeres Regime“, sagte Lettlands Ministerpräsident Krisjanis Karins. Damit sollen die Infektionsketten unterbrochen und die Überlastung des Gesundheitswesens reduziert werden. Dies müsste parallel dazu mit mehr Impfungen einhergehen, betonte Karins.

Russland: Moskau macht fast alles dicht

Auch in Russland steigen die Corona-Zahlen kräftig. Am 22. Oktober gab es mit 36.205 Fällen so viele gemeldete Neuinfektionen wie noch nie. In Moskau ist die Lage bei weitem am schlimmsten, weshalb Russlands Hauptstadt ab dem 28. Oktober wieder dicht macht – zunächst bis zum 7. November. Für diese Zeit hat Präsident Wladimir Putin „arbeitsfreie Tage“ angekündigt.

Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin gab zudem bekannt, dass Schulen, Kindergärten, Geschäfte, Bars und Restaurants schließen müssen, ebenso wie Kinos und Fitnessclubs. Restaurants und Cafés dürften Essen und Trinken nur noch zum Mitnehmen anbieten.

Die Regierung macht für die hohen Zahlen insbesondere eine mangelnde Impfbereitschaft in der Bevölkerung verantwortlich. Nur etwa ein Drittel der Russen ist vollständig geimpft. Trotz der sich zuspitzenden Lage hatte der Kreml zuletzt mehrfach betont, dass ein landesweiter Lockdown nicht geplant sei. Die Entscheidung über verschärfte Corona-Regeln liege bei den einzelnen Regionen.

Estland: Lockdown für Ungeimpfte mit 2G

Angesichts steigender Corona-Neuinfektionszahlen kehrt Estland zu strengeren Regeln zurück. In dem baltischen EU-Land gilt nach einem Beschluss der Regierung ab dem 25. Oktober die 2G-Regel in vielen Bereichen und eine verschärfte Maskenpflicht. Veranstaltungen dürfen dann fast ausschließlich nur noch von Geimpften oder Genesenen besucht werden. Dasselbe gilt für gastronomische Betriebe, Freizeit-, Kultur-, Unterhaltungs- und Sportstätten. Ein negativer Corona-Test reicht zur Teilnahme oder zum Zutritt nicht mehr aus.

Zugleich wird die Maskenpflicht verstärkt: Einzelhändler und Dienstleister müssen sicherstellen, dass ihre Geschäftsräume nur noch mit Schutzmaske betreten werden. Das Bedecken von Mund und Nase mit einem Schal oder einem Tuch sei dabei nicht mehr zulässig. Dringend empfohlen werde die Verwendung von medizinischen Masken, hieß es in der Mitteilung der Staatskanzlei. Die neuen Regeln gelten zunächst bis 10. Januar 2022. Die Regierung verschärfte zudem die Quarantäne- und Testvorgaben in Schulen und für außerschulische Aktivitäten.

In Estland sind die Corona-Zahlen zuletzt deutlich gestiegen. In den vergangenen sieben Tagen wurden nach offiziellen Angaben im Mittelwert 1207 Neuinfektionen pro Tag registriert. In dem Baltenstaat mit 1,2 Millionen Einwohnern sind gut 55 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen Corona geimpft.

Rumänien schließt Schulen und Kindergärten

Rumänien verschärft angesichts einer Corona-Notlage die Vorsichtsmaßnahmen für die nächsten 30 Tage. Ab diesem Montag gilt landesweit eine Maskenpflicht in geschlossenen öffentlichen Räumen wie auch im Freien. Die Regierung beschloss am Freitag weiterhin, dass Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen zwei Wochen lang geschlossen werden. Zugang zu allen Geschäften, Gaststätten und Kultureinrichtungen haben nur noch Geimpfte, Genesene oder Getestete. Nur Lebensmittelläden und Apotheken stehen allen offen – ebenso die Kirchen. 

Nachts gelten Ausgangsbeschränkungen: Von 22.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) bis 5.00 Uhr morgens dürfen nur noch Geimpfte oder Genesene frei ihre Wohnungen verlassen. Wer nicht dazu gehört, muss einen triftigen Grund nachweisen. Negative Corona-Testnachweise allein berechtigen nicht dazu, nachts auf die Straße zu gehen. Bars und Tanzlokale werden geschlossen.

Rumäniens Gesundheitswesen wird seit Tagen mit der Versorgung einer steil anwachsenden Zahl von Covid-19-Patienten kaum noch fertig. Dutzende schwer kranker Patienten wurden bereits in Nachbarländer gebracht, weil es in den Intensivstationen keinen Platz mehr gibt. Der 7-Tage-Mittelwert der Neuansteckungen stieg zuletzt auf 14.924.

China riegelt die Hauptstadt ab

In einigen Landesteilen verschärft die chinesische Regierung erneut die Einschränkungen für die Bevölkerung, um eine Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Das gilt etwa für die Hauptstadt Peking und einige Gebiete im Nordwesten.

Teilweise ist den Menschen untersagt, ihre Wohnanlage zu verlassen, der Präsenzunterricht in Schulen wird eingestellt, und Unternehmen müssen schließen. Verglichen mit anderen Ländern sind die Ansteckungszahlen mit 28 nachgewiesenen Infektionsfällen sehr niedrig, doch greift die Führung in Peking gewöhnlich rasch zu drastischen Maßnahmen.

Seit dem Corona-Ausbruch in Wuhan schottet sich China vom Rest der Welt ab. Die Volksrepublik verfolgt eine „Null-Covid-Strategie“ – und regiert rigoros: Die Grenzen bleiben dicht, bei lokalen Ausbrüchen werden einzelne Stadtviertel und ganze Städte abgeriegelt, Massentestungen werden durchgeführt und infizierte Personen in Quarantäne-Einrichtungen isoliert.

Neuseeland: 90 Prozent der Neuseeländer sollen geimpft sein

Auch Neuseeland verfolgte lange eine strikte Null-Covid-Strategie – und ging keine Kompromisse ein. Bislang griffen schon bei wenigen Corona-Fällen strikte Beschränkungen, wie etwa örtliche Lockdowns. So auch in Auckland: In der größten Stadt Neuseelands gelten bereits seit August strenge Maßnahmen. Maximal zehn Personen dürfen sich draußen treffen, Restaurants bieten nur Außer-Haus-Verkauf an und Geschäfte sind teilweise geschlossen.

Nun will die Regierung allerdings eine neue Strategie fahren: Lockerungen soll es nun nach dem Erreichen eines ambitionierten Impfzieles von 90 Prozent geben. In Auckland könnte dieses Ziel schon bald erreicht sein. Dort sind bisher schon 93 Prozent der Über-12-Jährigen einmal geimpft 80 Prozent haben den vollständigen Impfschutz. Im Rest des Landes ist aber noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Bis Freitag waren nur etwa 71 Prozent der erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft.

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