WHO: Ohne ständigen Druck kehrt Coronavirus immer wieder

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird es bis auf Weiteres immer wieder zu steigenden Corona-Zahlen kommen. „Man kann es eine zweite Welle nennen, man kann es eine zweite Spitze nennen, man kann es ein Aufflammen nennen, man kann es nennen wie man will – nimmt man den Druck von diesem Virus, kommt das Virus zurück“, sagte WHO-Experte Michael Ryan am Montag in Genf. 

„Ich weiß, das wollen die Leute nicht hören, aber das ist die Realität.“ Es sei außergewöhnlich schwer, das Virus zu stoppen, so die Einschätzung von WHO-Experte Michael Ryan am Montag in Genf. In mehreren Ländern Europas stiegen die Infektionszahlen jüngst wieder an, was vielerorts Sorge vor einem erneuten rasanten Anstieg der Fallzahlen ausgelöst hat. Die Aufgabe besteht laut Ryan darin, durch Nachverfolgung, Tests und lokale Maßnahmen Ausbruch für Ausbruch schnell einzudämmen und so weitere landesweite Lockdowns wie im Frühjahr zu vermeiden. „Das sagen wir den Ländern in Europa: Lasst den Druck auf dem Virus“, so Ryan.

WHO-Expertin Maria van Kerkhove erinnerte an die zentrale Bedeutung großer Menschenansammlungen für die Verbreitung des Erregers. „Das Virus liebt solche Ansammlungen.“

Die WHO erwartet diese Woche das Überschreiten der Marke von 20 Millionen Infizierten. Mehr als 720.000 Patienten sind nach offiziellen Daten mit oder an COVID-19 gestorben. Experten schätzen die Dunkelziffer nicht erfasster Infektionen und Todesfälle allerdings als hoch ein.

Höhere Corona-Zahlen: Regierung ruft zu weiterer Vorsicht auf

Auch die Bundesregierung hat angesichts zuletzt wieder gestiegener Corona-Infektionszahlen zu weiterer Vorsicht aufgerufen. Es bleibe zentral, dass alle weiterhin die relativ einfachen und bisher besten Instrumente gegen die Pandemie nutzten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mit Blick auf Abstand, Hygiene und Mund-Nasen-Bedeckungen. „Jeder einzelne von uns trägt Verantwortung für sich selbst und für seine Mitmenschen.“ Es gelte, wachsam zu bleiben, um Erreichtes bei der Corona-Eindämmung nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Mit Blick auf den schrittweise wieder startenden Schulbetrieb sprach Seibert von einer „anspruchsvollen Aufgabe“, das Recht auf Bildung mit einem hohen Gesundheitsschutz zu verbinden. Dies sei in jedem Bundesland umzusetzen, wobei neben den Rechten der Schüler auch die der Lehrer und Lehrerinnen zu bedenken seien. Der Regierungssprecher äußerte sich zurückhaltend zum Begriff einer „zweiten Welle“ – dies könnten Virologen feststellen und nicht Politiker.

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Montag 436 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Ende vergangener Woche hatten die Zahlen erstmals seit Anfang Mai wieder über der Schwelle von 1.000 Fällen gelegen. Die montags bekannt gegebenen Zahlen sind meist relativ niedrig, weil sonntags nicht alle Ämter ihre Werte übermitteln.

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