Wo die Luft schlecht ist, sterben die meisten Menschen an Covid-19

Schlechte Luft voller Schmutzpartikel schädigt die Atemwege. Eine Sars-CoV-2-Infektion verläuft dann oft schwer, bisweilen tödlich. Eine US-Studie hat den Zusammenhang von Schadstoffbelastung der Luft und Covid-19-Sterbefällen jetzt nachgewiesen.

In Gegenden mit hoher Luftverschmutzung sterben mehr Menschen an Covid-19 als anderswo – die Nachricht an sich kann nicht wirklich überraschen. Dass Feinstaub und Smog die Atemwege belasten und schädigen, ist eine gut untersuchte Tatsache. Und auch, dass Covid-19-Erkrankungen bei Menschen mit vorgeschädigter Lunge oft schwer bis tödlich verlaufen, ist inzwischen eine vielfach bestätigte Gewissheit.

Schlechte Luft, viele Schwerkranke, hoher medizinischer Bedarf

Dennoch verdient die Studie, die an der School of Public Health der Harvard-Universität durchgeführt wurde, höchste Aufmerksamkeit. Sie beweist nicht nur die hohe Gefährdung der Bevölkerung in luftverschmutzten Regionen. Sie zeigt auch, wo Gesundheitsbehörden und Mediziner auf hohe Fallzahlen schwerer Erkrankungsverläufe vorbereitet sein sollten, wo also besonders viele Krankenhausbetten, Intensivplätze und Beatmungsgeräte benötigt werden.

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Die Wissenschaftler aus dem Bereich Medizinstatistik setzten dafür die gemessene Feinstaubbelastung in 3080 Regierungsbezirken (county) quer durch die Vereinigten Staaten mit den jeweiligen Sterbefällen durch Covid-19 in Bezug. Ihre Modellrechnung bezieht Daten bis zum 4. April mit ein. 

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1 Mikrogramm Feinstaub macht einen Unterschied

Unter Berücksichtigung verschiedener anderer Risikovariablen kam das Team um Francesca Dominici zum Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit an Covid-19 zu sterben, liegt in stark belasteten Gegenden um 15 Prozent höher als in Regionen mit nur einem Mikrogramm weniger Feinstaub pro Kubikmeter Luft.

Eine hohe Schadstoffbelastung der Luft hat unterschiedliche Ursachen: So kommt sie im Central Valley in Kalifornien durch intensive Landwirtschaft, im Cuyahoga County in Ohio durch die Abgase von Kohlekraftwerken. In beiden Regionen seien überdurchschnittlich viele schwerkranke Covid-19-Patienten zu erwarten, prognostiziert Studienleiterin Dominici.

Die Untersuchung konnte jedoch nicht nachweisen, ob die Schadstoffbelastung der Luft auch eine Rolle bei der Verbreitung der Sars-CoV-2-Viren spielt, ob etwa Feinstaub zu mehr Infektionen und Erkrankungen führt.

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Schon bei Sars spielte Luftverschmutzung eine tragische Rolle

Tatsache ist, dass mikroskopisch kleine Verschmutzungspartikel aus Abgasen das Lungengewebe angreifen, unbemerkte Entzündungen verursachen und dadurch langfristig die Fähigkeit reduzieren, mit Infekten der Atemwege fertig zu werden. Dadurch steigt das Risiko für Lungenkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und die Anfälligkeit für eine schwere Covid-19-Erkrankung.

Schon während der Sars-Epidemie 2003 stellten Forscher fest, dass in Gebieten Chinas mit hoher Luftverschmutzung doppelt so viele Menschen an der Lungenkrankheit starben als in Regionen mit sauberer Luft. 

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Hohe Luftstandards auch nach der Pandemie dringend erforderlich

Bereits mit einem Blick in die Zukunft sagen die Forscher: „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen, wie wichtig es ist, bestehende Vorschriften bezüglich der Feinstaubbelastung zum Schutz der Gesundheit während und nach der Covid-19-Krise konsequent durchzusetzen.“

In einem Artikel der New York Times werden im Zusammenhang mit der Harvard-Studie die zurückgefahrenen Umweltschutz-Bestimmungen der Trump-Regierung angesprochen, die nach dieser ersten Studie dringend überdacht werden sollten. Die Lockerung der Auflagen zugunsten der Industrie würden in den USA auch ohne Corona-Krise zu mehr frühzeitigen Todesfällen führen, mahnt etwa die Umweltbehörde EPA. Sie hat die Lockerungen allerdings gerade selbst genehmigt, ein Zugeständnis an die heimische Industrie in der Corona-Krise. FOCUS Online/Wochit „Weiß nicht, ob das Ihr Ernst ist“: Laschet fährt Hayali in ZDF-Interview an

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