„ZeroCovid“-Strategie: Ist Australiens Erfolg ein Modell für Deutschland?

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sprechen sich Experten für eine Null-Inzidenz-Strategie aus. Dabei kann Australien ein Vorbild sein. Drei führende Köpfe sind sich sicher, dass die Strategie in „Down Under“ auch in Deutschland funktionieren könnte.

Nach Meinung von Gesundheits-Ökonom Stephen Duckett, Regierungsberater in Australien, ist die "ZeroCovid"-Strategie in Australien auch in Deutschland umsetzbar. "Ein Wettrennen hin zu den kleinen Zahlen war Australiens Erfolgsstrategie, die mit ein paar Modifikationen in Deutschland ähnlich durchgeführt werden kann", schreibt Duckett in einem Gastbeitrag für "t-online".

Zusammen mit den Physik-Professoren und Pandemie-Forschern Matthias F. Schneider von der TU Dortmund und Yaneer Bar-Yam, Präsident des New England Complex Systems Instituts (Boston), verbreitet Duckett in jener Hinsicht Optimismus, dass auch bei den gegenwärtig hohen Fallzahlen das Virus schnell in den Griff zu bekommen sei.

Ziele und Pläne transparent gegenüber der Bevölkerung umsetzen

Nötig dafür ist ein Konglomerat an Maßnahmen einschließlich Grenzbeschränkungen, so die drei Wissenschaftler, die sich in der internationalen "ZeroCovid"-Bewegung engagieren. Langfristig hätten nur die Länder die Situation unter Kontrolle, die eine Strategie in Richtung null Fälle verfolgen, schreiben Duckett, Schneider und Bar-Yam.

Zur Umsetzung sei es nötig, das Ziel und den Plan gegenüber der Bevölkerung transparent zu vermitteln. Auch für die Wirtschaft sei das ein erfolgversprechender Weg: "Es nutzt nichts, wenn sich durch frühe Öffnung zunächst einige Geschäfte mehr retten, dies aber einen weiteren Lockdown verursacht, bei dem dann umso mehr aufgeben müssen."

Bei konsequentem Vorgehen sei der aktuelle Lockdown dagegen der letzte, "und wir feiern 2021 mit Zero Covid den Sommer des Jahrhunderts". Surftipp: Alle Neuigkeiten zur Corona-Pandemie finden Sie im News-Ticker von FOCUS Online

Prof. Stephen Duckett  ist Professor für Gesundheitspolitik und langjähriger Experte in der politischen Umsetzung von Ökonomie im Gesundheitswesen. Er ist Direktor der Abteilung für Gesundheit im Grattan Institute und berät in dieser Funktion die Regierung Australiens in politischen Entscheidungen. Der frühere Leiter des Gesundheitsministeriums Australiens war eine Schlüsselfigur und ein Wegbereiter für Australiens Weg aus der Krise.

Duckett sagt: "Die Bürger Australiens wussten, dass ein harter Lockdown kommt, und sie wussten warum. Aber sie wussten eben auch, dass sie systematisch Maßnahmen lockern durften, sobald die kommunizierten Grenzen Infizierter erreicht werden. Sie saßen daher mit Freude vor den Fernsehern, um zu sehen, wie ihre Zahlen weiter sanken. Ein Wettrennen hin zu den kleinen Zahlen entstand. Das war Australiens Erfolgsstrategie, die – sicher mit ein paar Modifikationen – hier in ähnlicher Weise durchgeführt werden kann. Wenn nicht alle mitziehen, dann beginnt man eben erst in einzelnen Bundesländern oder gar Landkreisen."

Duckett  weiter: "Lässt man die Bürger jedoch mit vagen Plänen und Durchhalteparolen ohne absehbares Ende in einem Zustand der Ungewissheit oder gar der Verwirrung stehen, schadet man nicht nur der Wirtschaft. Dann zerstört man – was noch viel schlimmer ist – das Vertrauen der Bürger in unsere Institutionen, was die Gesellschaft auseinandertreibt. Vertrauen ist für die Bewältigung von Krisen unerlässlich."

Die "ZeroCovid"-Bewegung nennt drei Phasen zur Erreichung des langfristigen Ziels:

  • 1. Phase: Im ersten Schritt muss es darum gehen, so schnell wie möglich zur Null zu kommen. Die Übertragung muss in einem zweiten Lockdown so gut es geht gestoppt werden. Dafür sollte alles getan werden.
     
  • 2. Phase: Sobald man virenfreie Gebiete hat, muss man diese im zweiten Schritt so gut es geht sichern. Mögliche Ausbrüche müssen im Keim erstickt werden. Ist man zwei Wochen ohne Infektionen, hat man den "Green-Zone-Status" erreicht. Man kann innerhalb der Region zur Normalität zurückkehren. Damit das funktioniert, muss neben den andauernden Reisebeschränkungen bei Bedarf rasch und breitflächig getestet werden
     
  • 3. Phase: Im dritten Schritt beginnt die permanente Erweiterung der "Green Zone". Je niedriger die Fallzahlen innerhalb eines Gebietes sind, desto leichter ist es, das Virus lokal in Schach zu halten. Je mehr Länder dabei sind, desto leichter ist es auch, Grenzen zu schützen oder gar zu öffnen.

Alle diese Maßnahmen und Bestrebungen zeigen, ohne Anstrengungen geht es nicht. Wenn die Maßnahmen richtig umgesetzt werden, könnte der zweite Lockdown bereits der letzte sein.

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