AstraZeneca: Geimpfte erzählen, wie sie über den Corona

Nachdem vereinzelt schwere Nebenwirkungen in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung gegen Covid-19 aufgetreten waren, wird seit Anfang der Woche der Impfstoff von AstraZeneca vorerst nicht mehr für die Altersgruppe unter 60 empfohlen. Rund 2,8 Millionen Menschen haben das Präparat in Deutschland bereits erhalten – die meisten von ihnen müssen nun abwägen, ob sie auch die Zweitimpfung mit AstraZeneca haben möchten.

Wie trifft man so eine Entscheidung? Sorgt der Beschluss der Regierung für Verunsicherung? Und machen sich die Geimpften jetzt Sorgen, auch von den Nebenwirkungen betroffen zu sein? Drei Menschen, die aufgrund ihres Berufes bereits mit AstraZeneca geimpft wurden, erzählen aus ihrer subjektiven Sicht, was ihnen derzeit durch den Kopf geht.

Information ist alles: »Ich hatte anfangs auch Zweifel«

Silke Zekri, 41, stellvertretende Pflegedienstleitung im Carepool Hannover

Silke Zekri, 41, vor vier Wochen mit AstraZeneca geimpft

»Ich wurde vor rund vier Wochen mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft. Für mich besteht also kein Risiko mehr, eine Sinusvenenthrombose zu bekommen, was mich ehrlich gesagt sehr erleichtert.

Bevor ich die Impfung bekommen habe, habe ich mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt und mich gut informiert. Ich hatte anfangs auch Zweifel, habe mir Gedanken über mögliche Langzeitnebenwirkungen gemacht – aber an meiner grundsätzlichen Entscheidung, dass ich mich gegen Covid-19 impfen lassen will, hat das nicht gerüttelt.

Für mich stand dann auch schnell fest, dass ich auch eine Impfung mit AstraZeneca nehme. Denn der fast 80-prozentige Schutz, den ich durch die Impfung erhalte, ist für mich mehr wert als ein sehr geringes Risiko von Nebenwirkungen.



Mein Mann war in der ersten Welle schwer an Covid-19 erkrankt. Er ist noch jung, keine Vorerkrankungen, Nichtraucher – und trotzdem hat es ihn schlimm getroffen. Daran habe ich gesehen, dass es auch mich schwer treffen könnte. Das war für mich auch noch mal ein ausschlaggebender Punkt, mich impfen zu lassen.

Die Nachrichten über den zweiten Impfstopp haben mich nun aber schon sehr verunsichert. Es macht etwas mit einem, wenn man hört, dass die Bundesregierung die Impfungen mit dem Präparat einstellt, das man selbst bekommen hat. Da fragt man sich, wie gravierend das Ausmaß sein muss.

Auch im Kollegium merke ich, dass viele sich jetzt Sorgen machen und nicht wissen, ob sie auch die Zweitimpfung mit AstraZeneca haben wollen. Ich habe mich noch nicht entschieden und merke, dass ich durch diese Nachrichten schon ziemlich beeinflusst werde. Ich möchte definitiv meinen vollen Schutz haben, aber ich weiß noch nicht, ob ich mich dafür noch einmal mit AstraZeneca impfen lassen will.

Vielleicht kommt die Stiko ja auch zu der Einschätzung, dass man die zweite Dosis auch mit einem anderen Impfstoff machen kann, dann würde ich vielleicht das bevorzugen. Oder ich fange noch einmal von vorne an mit der Immunisierung. Oder doch eine zweite AstraZeneca-Dosis.

Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich noch keine Entscheidung getroffen, und ich habe ja zum Glück auch noch zwei Monate Zeit bis zur zweiten Impfung, um mir Gedanken zu machen. Bis dahin weiß man vielleicht auch schon mehr.«

Impfen als gesellschaftliche Verantwortung: »Sonst stecken wir irgendwann in einer Endlosschleife der Pandemie«

Markus Ritter, 47, Altenpfleger und Coach für Menschen im sozialen und pflegerischen Bereich in Hannover

Markus Ritter, 47, vor vier Wochen geimpft

»Für mich war schon sehr früh klar, dass ich auf jeden Fall geimpft werden möchte, und auch mit AstraZeneca. Wir sind in einem Wettlauf gegen die Zeit: Wenn wir es nicht bald schaffen, einen Großteil der Menschen zu impfen, dann wird es immer wieder neue Mutationen geben, und alles geht wieder von vorn los.

Ich sehe es daher auch als meine gesellschaftliche Verantwortung, mich impfen zu lassen – sonst stecken wir irgendwann in einer Endlosschleife der Pandemie. Und ich empfinde es auch als meine individuelle Verantwortung, mich selbst und andere in meinem Umfeld zu schützen.

Ich finde es schade, dass AstraZeneca ein solches Imageproblem hat, obwohl der Impfstoff gut ist. Da fehlt es einfach an guter Kommunikation seitens der Politik und der Medien.

Auch der jetzige Impfstopp bereitet mir Sorgen: Ich finde, es erfordert eine Abwägung zwischen Impfrisiko und den psychosozialen und existenziellen Schäden weiterer Lockdown-Maßnahmen.


Vielleicht muss ich mir als Mann weniger Sorgen machen, an einer Sinusvenenthrombose zu erkranken. Als Frau würde ich vielleicht noch einmal anders abwägen. Und das finde ich auch völlig legitim, jede und jeder muss das für sich selbst bewerten.

Ich finde es nur schade, dass sich jetzt vielleicht viele aufgrund der wechselnden Informationen gar nicht mehr mit AstraZeneca impfen lassen wollen und ein guter Impfstoff so in Verruf gerät.«

Vor einer Woche geimpft: »Nervös bin ich trotzdem nicht«

Amelie Thobaben, 45, Psychotherapeutin in Bremen

Amelie Thobaben, 45, vor einer Woche geimpft

»Ich wurde vor einer Woche mit AstraZeneca geimpft. Theoretisch befinde ich mich also noch in dem Zeitraum, in dem ich eine Sinusvenenthrombose bekommen könnte. Nervös bin ich trotzdem nicht, denn diese Nebenwirkungen halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Daher habe ich mich auch trotz des ersten Impfstopps dafür entschieden, mich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Ich schätze das Risiko einer Corona-Infektion mit möglichen Langzeitfolgen für mich größer ein als das einer Sinusvenenthrombose. Denn ich habe mehr Angst vor Long Covid als vor Nebenwirkungen.

Im Bremer Impfzentrum wurde ich zudem sehr gut aufgeklärt, gerade als jüngere Frau im Hinblick auf die möglichen Nebenwirkungen. Jetzt weiß ich: Wenn ich starke Kopfschmerzen oder neurologische Probleme entwickeln sollte, könnten sie auf ein Blutgerinnsel hindeuten und ich kann schnell reagieren.


Aufklärung spielt für mich eine große Rolle. Ich hatte zum Beispiel auch eine deutliche Impfreaktion. Die hat mich aber nicht beunruhigt, weil ich gut informiert war und wusste, was das bedeutet.

Mein zweiter Impftermin ist im Juni. Ich beobachte jetzt, welche Entscheidungen bis dahin noch bezüglich AstraZeneca getroffen werden, aber nach aktuellem Stand würde ich auch die Zweitimpfung mit dem Präparat in Anspruch nehmen.

Dennoch finde ich, wir müssen auch berücksichtigen, dass wir noch andere Impfstoffe zur Verfügung haben. Wenn die weniger Nebenwirkungen haben, sollte man die vorziehen. Wenn nicht ausreichend Impfstoff der anderen Hersteller verfügbar ist, hat meiner Meinung nach die Impfgeschwindigkeit die höhere Priorität.«

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