Corona: Wird es einen Corona

SPIEGEL: Herr Bujard, wird es einen Corona-Babyboom geben?

Martin Bujard, 45, ist Forschungsdirektor für Familie und Fertilität am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden

Bujard: Das würde mich sehr überraschen. Zwar haben im vergangenen Jahr die künstlichen Befruchtungen in Deutschland um neun Prozent zugenommen, aber das kann viele Gründe haben. Wir beobachten das schon länger. Die technischen Möglichkeiten werden immer besser, und viele Frauen schieben ihren Kinderwunsch immer weiter auf. Bei den natürlichen Zeugungen erwarten wir bald erste Daten, der Beginn der Corona-Beschränkungen ist etwa zehn Monate her.

SPIEGEL: Gibt es Tendenzen aus anderen Ländern?

Bujard: Vorläufige Daten aus China und Italien weisen auf einen deutlichen Geburtenrückgang hin. In den USA erwartet man einen Einbruch der Geburtenrate. Auch dort gibt es noch keine validen Daten, aber auf Grundlage der Angaben von Gynäkologen wird ein Rückgang angenommen. Die Menschen spüren eine finanzielle Unsicherheit, und es gibt kaum staatliche Absicherungssysteme. Das ist in vielen afrikanischen Ländern genauso, dort erwarten wir aber eher mehr Babys. Durch die Corona-Beschränkungen ist der Zugang zu Verhütungsmitteln noch schwerer, genau wie der zu Bildung, weil viele Schulen geschlossen sind. Die Menschen verschiedener Nationen reagieren beim Kinderwunsch durchaus unterschiedlich auf Krisen.

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