Fatigue: 6 Fragen & Antworten zur großen Müdigkeit

Stellen Sie sich vor, Sie fühlen sich erschöpft, völlig energielos und ständig müde – nahezu permanent, vielleicht sogar über Jahre hinweg. Ein Spaziergang am See, eine Fahrradtour, ein Treffen mit Freunden: Aktivitäten, die Sie früher als erfrischend und belebend empfunden haben, laugen Sie inzwischen so sehr aus, dass anschließend für mehrere Tage so gut wie nichts mehr geht. Was Ihnen einst Spaß gemacht hat, ist jetzt nur noch anstrengend und einfach zu viel.

6 Fragen und Antworten zur krankhaften Erschöpfung

1. Was ist Fatigue?2. Was unterscheidet eine Fatigue von normaler Müdigkeit?3. Wann kann Fatigue auftreten?4. Was sind die Ursachen einer Fatigue?5. Welche Folgen hat eine Fatigue?6. Was hilft bei Fatigue?

1. Was ist Fatigue?

Das Wort Fatigue kommt aus dem Französischen und bedeutet Müdigkeit. Mit einer normalen Müdigkeit, wie sie jeder von uns kennt, hat die Fatigue jedoch nichts zu tun. Und auch nicht mit Faulheit.

Charakteristisch für eine Fatigue ist, dass die Erschöpfung

  • stark ist,
  • länger anhält als normale Müdigkeit und
  • sich kaum beeinflussen lässt.

Schon kleine körperliche oder geistige Anstrengungen sind für die Betroffenen zu viel. Sie fühlen sich reizbar, ängstlich oder niedergeschlagen. Viele leiden zudem unter Beschwerden wie Kopf-, Hals- oder Gelenkschmerzen sowie Konzentrationsproblemen.

2. Was unterscheidet eine Fatigue von normaler Müdigkeit?

Menschen mit Fatigue haben ein starkes Bedürfnis, sich hinzulegen und auszuruhen. Sie fühlen sich jedoch anschließend nicht besser. Während Schlaf und Erholung gegen eine normale Müdigkeit oder Erschöpfung helfen, bringen sie bei einer Fatigue kaum oder keine Besserung. Die Energielosigkeit ist so ausgeprägt, dass die Betroffenen dagegen nicht ankämpfen können.

3. Wann kann Fatigue auftreten?

Fatigue ist ein Symptom, das insbesondere im Rahmen verschiedener chronischer Krankheiten in Erscheinung tritt.

Vor allem bei Krebs kommt Fatigue häufig vor. Neun von zehn aller Krebspatienten leiden zumindest vorübergehend unter der starken Erschöpfung. Bei einem Teil von ihnen bildet sich die Fatigue nach einer Weile wieder zurück. Bei anderen halten die Symptome Monate oder gar Jahre an.

Doch nicht nur Krebspatienten sind betroffen. Auch andere Erkrankungen können mit einer Fatigue einhergehen, so zum Beispiel

  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie multiple Sklerose oder
  • rheumatische Erkrankungen, z.B. rheumatoide Arthritis.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: Fatigue als eigenständige Erkrankung

Eine Fatigue kann auch ohne ersichtlichen Grund auftreten. Kann der Arzt keine chronische Grunderkrankung feststellen, die mit Fatigue in Zusammenhang stehen könnte, spricht man von einem chronischen Erschöpfungssyndrom. Andere Bezeichnungen sind Chronic-Fatigue-Syndrom (CFS) oder Myalgische Enzephalomyelitis.

4. Was sind die Ursachen einer Fatigue?

Die genauen Ursachen einer Fatigue sind bislang nicht abschließend geklärt.

Bei einer Fatigue im Rahmen von Krebs stellen Behandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung eine erhebliche Belastung für den Körper dar. Sie wirken nicht nur gegen Krebszellen, sondern teilweise auch gegen gesundes Gewebe. Auch können die Therapien zu einer Blutarmut (Anämie) führen, sodass der Körper nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Neben den Therapien kann auch die Krebserkrankung selbst eine Fatigue begünstigen. Und auch Faktoren wie Nebenwirkungen von Medikamenten, Mangelernährung oder die psychische Belastung durch die Diagnose spielen vermutlich eine Rolle.

Auch im Zusammenhang mit anderen chronischen Erkrankungen ist die Ursache der Fatigue nicht genau bekannt. Bei multipler Sklerose lässt sich die Fatigue möglicherweise darauf zurückführen, dass Teile der Nervensubstanz im zentralen Nervensystem geschädigt sind.

Bei einem chronischen Erschöpfungssyndrom, also einer lang anhaltenden Fatigue ohne körperliche Grunderkrankung, sind die Auslöser ebenfalls nicht vollständig bekannt. Mehrere Faktoren werden als Ursache beziehungsweise Auslöser diskutiert, so etwa Immundefekte oder hormonelle Störungen. Häufig zeigen sich erste Beschwerden nach einem Infekt wie etwa einer Grippe.

5. Welche Folgen hat eine Fatigue?

Eine Fatigue beeinträchtigt das tägliche Leben erheblich – manchmal sogar so sehr, dass der Betroffene seiner Arbeit nicht nachgehen kann, weil er dazu vor Erschöpfung nicht mehr in der Lage ist.

Dauerhaft erschöpft und ausgelaugt zu sein, ist nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine erhebliche Belastung. Die Betroffenen leiden sehr darunter, dass Dinge, die sie früher einmal gern gemacht haben, plötzlich zur Qual werden. Und so verwundert es nicht, dass viele Menschen mit Fatigue niedergeschlagen und antriebslos sind. Sie ziehen sich möglicherweise immer weiter zurück und entwickeln eine Depression. Spätestens an diesem Punkt ist es wichtig, sich rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen.

Eine Fatigue kann

  • in ihrer Ausprägung mit der Zeit schwanken; Phasen von sehr starker Erschöpfung wechseln sich mit Phasen ab, in denen es der Person etwas besser geht.
  • kurz oder lang anhalten: Bleiben die Beschwerden Monate bis Jahre bestehen, spricht man von einer chronischen Fatigue.
  • nach einer beschwerdefreien Phase erneut auftreten.

6. Was hilft bei Fatigue?

Menschen mit Fatigue leiden nicht nur darunter, weniger leistungsfähig zu sein. Es fällt ihnen auch schwer zu akzeptieren, dass sie krank sind. So setzen sie sich oft selbst unter Druck und haben zu hohe Erwartungen an sich selbst.

Daher ist es zunächst hilfreich, die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit herauszufinden, zu akzeptieren und ganz bewusst Ruhephasen zuzulassen. Ebenfalls wichtig ist Offenheit: Wenn Freunde und Bekannte wissen, was eine Fatigue ist und was diese für den Betroffenen bedeutet, können sie sich entsprechend darauf einstellen.

Bei einer Fatigue können verschiedene therapeutische Ansätze Linderung verschaffen:

  • Bewegung: Auch wenn es den Betroffenen sehr schwer fällt und sie am liebsten auf dem Sofa bleiben würden – leichte körperliche Aktivität kann bei einigen die Beschwerden einer Fatigue lindern. Gut geeignet sind zum Beispiel Yoga, Tai-Chi, (Wasser-)Gymnastik, Schwimmen oder Radfahren.
  • Ergotherapie: Wer an Fatigue leidet, muss lernen, mit seiner Energie zu haushalten. Ein Ergotherapeut kann dabei helfen. Der Therapeut vermittelt dem Patienten, wie dieser seine vorhandenen Kräfte sinnvoll und effizient einteilen kann, ohne die eigenen Grenzen zu überschreiten.
  • psychotherapeutische Unterstützung: Als gut geeignet hat sich die kognitive Verhaltenstherapie erwiesen. Ziel ist es, mit der Fatigue besser umgehen zu lernen. Die Betroffenen arbeiten in der Therapie daran, ungünstige und negative Gedanken und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.

Quellen

Fatigue. Online-Informationen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.: www.dmsg.de (Stand: 3.12.2019)

Chronisches Fatigue-Syndrom. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: August 2018)

Fatigue bei Krebs. Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft: www.krebsgesellschaft.de (Stand: 5.7.2018)

Siegmund-Schultze, N.: Fatigue bei Krebserkrankungen: Bewegungstherapie ist effektiver als eine Behandlung mit Medikamenten. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 115, Heft 12, S. A 534 (23.3.2018)

Fatigue. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: April 2016)

Rheumatoide Arthritis. Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 27.7.2016)

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

  • Chronisches Erschöpfungssyndrom
  • Fatigue bei Krebs
  • Forum Krebserkrankungen: Fragen Sie unseren Experten um Rat.

Linktipps:

  • Deutsche Fatigue GesellschaftDie Deutsche Fatigue Gesellschaft (DFaG) e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, die Ursachen von tumorbedingter Fatigue zu erforschen.

28.01.2019

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