Immer mehr Kinder haben Diabetes – das sind die Warnzeichen

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 3000 Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1 – Tendenz steigend, wie ein neuer Bericht zeigt. Woran das liegt und auf welche Warnzeichen Eltern achten müssen.

Während der Pandemie erkrankten in Deutschland zunehmend mehr Kinder und Jugendliche an Diabetes Typ 1. Wie der neue „Gesundheitsbericht Diabetes 2023“ der Deutschen Diabetes Gesellschat (DDG) zeigt, verzeichneten unterschiedliche große Studien eine Zunahme zwischen 10 und 32 Prozent. Damit stiegen die Fälle in den Jahren 2020 und 2021 um 15 bis 20 Prozent stärker an als erwartet.

Und auch in den kommenden Jahren fürchten die Experten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Bis 2026 erwarten sie eine Verdopplung der Erkrankungsfälle bei Kindern unter fünf Jahren.

Ist Corona Schuld, dass die Diabetes-Fälle steigen?

Doch warum nehmen die Fälle immer weiter zu – und das vor allem in den vergangenen Jahren? Die Experten diskutieren im Bericht mögliche Zusammenhänge mit Corona. Einerseits gebe es Hinweise darauf, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 mit dem Risiko für Typ-1-Diabetes in Verbindung steht. Hintergrund sei, dass der ACE2-Rezeptor, welcher dem Coronavirus als Zelleintrittspforte dient, auch in insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse vorkommen. Besagte Zellen spielen eine erhebliche Rolle bei der Entstehung von Diabetes.

Andererseits gebe es indirekte Faktoren der Pandemie, die eine Rolle spielen könnten. Verantwortlich für die steigenden Fälle sind laut Bericht allerdings nicht die Lockdowns per se: Analysen des bundesweiten DPV-Registers (Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation) der Jahre 2020/2021 ergaben, dass die Inzidenz des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen nicht in Zeiten des Lockdowns im Frühjahr, sondern erst im Sommer 2020 und damit etwa drei Monate nach der maximalen Covid-19-Inzidenz des Jahres 2020 anstieg.

Die Gründe sind laut den Experten unklar, sie vermuten aber „in in erster Linie veränderte Lebensumstände, die auf die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zurückzuführen sind“, also etwa

  • soziale Isolation und
  • psychische Stressfaktoren.

Diese Faktoren erhöhen außerdem das Diabetes-Risiko

Vererbung: Gesichert ist hingegen, dass ein gewisses Risiko für die Erkrankung vererbt wird, schreibt das Diabetesinformationsportal:

  • So entwickelten rund drei bis acht Prozent der Kinder oder Geschwister von Menschen mit Typ-1-Diabetes im Laufe ihres Lebens selbst Typ-1-Diabetes.
  • Haben beide Eltern Typ-1-Diabetes, bestehe für die Kinder ein Erkrankungsrisiko von etwa 25 Prozent. Das heißt, dass etwa jedes vierte Kind, das zwei Elternteile mit Typ-1-Diabetes hat, selbst daran erkrankt.

Ernährung: Auch die Ernährung im Säuglingsalter kann laut Diabetesinformationsportal eine Rolle spielen:

  • Studien deuteten darauf hin, dass Kinder, die – entgegen gängiger Ernährungsempfehlungen – bereits vor dem dritten Lebensmonat Getreide, insbesondere glutenhaltiges Getreide, zu essen bekamen, ein höheres Risiko für Typ-1-Diabetes haben.
  • Bestimmte Inhaltsstoffe der Nahrung, wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D, schützten hingegen möglicherweise in gewissem Maß vor Diabetes.

Weitere Faktoren: Zudem gebe es Hinweise darauf, dass neben Covid-19 andere Atemwegserkrankungen das Risiko für Typ-1-Diabetes erhöhen, etwa eine Infektion mit Coxsackie-Viren, eine häufige Ursache von Erkältungen. Und: „Kinder, die per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, haben auch ein etwas höheres Risiko für Typ-1-Diabetes“, so das Portal.

Auf diese Warnzeichen sollten Eltern achten

Mögliche auftretende Alarmzeichen, auf die Eltern bei ihren Kindern achten sollten, sind folgende:

  • viel Wasserlassen (Polyurie)
  • viel Durst (Polydipsie) und entsprechend viel Trinken
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit und
  • Gewichtsverlust.

Treten diese Signale bei Ihrem Kind auf, sollten Sie diese von einem Arzt abklären lassen. Denn: „Mit jedem Tag mehr, den ein Kind unerkannt an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, steigt das Risiko für eine diabetische Ketoazidose (DKA)“, schreibt die DDG. Dabei handelt es sich um eine Übersäuerung des Körpers, bei der Bewusstlosigkeit sowie ein lebensgefährliches Koma drohen.

Typische zusätzliche Anzeichen für die Ketoazidose neben starkem Durst, Gewichtsverlust und ständigem Wasserlassen ist Azetongeruch in der ausgeatmeten Luft. Auch zu Bauchschmerzen und Erbrechen kann es durch die Übersäuerung kommen, ebenso zu schnellem Atem. So versucht der Körper, die überschüssige Säure loszuwerden. In diesem Fall handelt es sich um einen medizinischen Notfall und Sie sollten sofort einen Arzt verständigen.

 

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